BDI/BCG-Studie: Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für Wachstum und Resilienz

Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sind zentrale Hebel, um die Industrie in Deutschland zukunftsfähig, wettbewerbsstark und resilient aufzustellen. Die gemeinsame Studie „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz - Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie“ des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Boston Consulting Group (BCG) zeigt: Zirkuläre Geschäftsmodelle können nicht nur Rohstoffrisiken reduzieren, sondern zugleich zusätzliche Wertschöpfung im Inland schaffen und den Klimaschutz stärken.
Deutschland gehört zu den materialintensivsten Volkswirtschaften in der EU und ist bei vielen Schlüsselrohstoffen für Zukunftstechnologien nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Geopolitische Risiken, Preisschwankungen und eine weltweit steigende Nachfrage machen diese Importabhängigkeit zunehmend zu einem strukturellen Standortrisiko für die Industrie.
Vor diesem Hintergrund analysiert die gemeinsame Studie von BDI und BCG „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz“ die Rolle der Kreislaufwirtschaft für den Industriestandort Deutschland. Im Fokus steht, wie Ressourceneffizienzstrategien in Unternehmen gestärkt und der Übergang zu zirkulären Geschäftsmodellen unterstützt werden können. Die Ergebnisse unterstreichen die Doppelwirkung von Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft: Sie reduzieren Rohstoffrisiken und ermöglichen gleichzeitig den Aufbau zusätzlicher Wertschöpfung im Inland.
Die Studie zeigt, dass die zirkuläre Bruttowertschöpfung in Deutschland von aktuell rund 60 Milliarden Euro bis 2045 auf bis zu 125 Milliarden Euro jährlich steigen kann. Durch Recycling und Wiederverwendung könnten bis 2045 rund 20 bis 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzt werden. Eine geringere Importabhängigkeit bei kritischen Rohstoffen stärkt sowohl die Resilienz der Lieferketten als auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.
Auch für den Klimaschutz und die Energiewende hat die Kreislaufwirtschaft großes Potenzial: Rund 11 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente könnten bis 2045 eingespart werden. Gleichzeitig lassen sich Kosten senken – die Studie beziffert das Kostensenkungspotenzial bei der Energiewende bis 2045 kumuliert auf nahezu 40 Milliarden Euro.
Getrieben werden diese Effekte durch mehrere zentrale Hebel der Kreislaufwirtschaft:
- effizientere Materialnutzung und mehr Ressourceneffizienz in der Produktion,
- längere Produktlebenszyklen etwa durch Reparatur, Wiederaufbereitung oder Remanufacturing,
- verstärkter Einsatz von Sekundärrohstoffen anstelle von Primärrohstoffen,
- sowie neue Geschäftsmodelle wie Sharing, Pay-per-Use oder Rücknahme- und Recyclingsysteme.
Um dieses Potenzial zu heben, braucht es geeignete politische und regulatorische Rahmenbedingungen. Dazu zählen Investitionen in zirkuläre Infrastruktur sowie in Recycling- und Verwertungskapazitäten von rund 20 Milliarden Euro, die sich volkswirtschaftlich in kurzer Zeit amortisieren können. Notwendig sind zudem beschleunigte und vereinfachte Genehmigungsverfahren für zirkuläre Anlagen und Projekte, der Aufbau leistungsfähiger Märkte für Sekundärrohstoffe und Materialien der Kreislaufwirtschaft sowie die Weiterentwicklung von Normen und Standards, damit zirkuläre Produkte schneller in der industriellen Anwendung ankommen. Verlässliche Regulierung und gezielte Investitionsanreize sind entscheidend, um die identifizierten Chancen für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz zu realisieren.
Foto: Adobe Stock Nr. 1998057756 - Autor: KHAN VECTOR CO.
