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Die erste Ökobilanz – Der Fußabdruck eines Menschenlebens

Quelle: TU Berlin

Welche Auswirkungen hat unser Lebensstil auf die Umwelt? Keine Guten, soviel ist klar. Bisher gab es jedoch nur Durchschnittswerte zur Orientierung wie viele Emissionen verursacht werden, oder wie viel Wasser ein Deutscher täglich verbraucht. Doch nun wurde im Projekt "Life-LCA: Ökobilanzierung eines Menschen" der Technischen Universität Berlin zum ersten Mal eine detaillierte Rechnung aufgestellt, wie sich unser Lebensstil tatsächlich auf die Umwelt auswirkt.

Die Inventur eines Lebens

Die Initiative kam dabei vom Probanden selbst, denn Dirk Gratzel wollte es ganz genau wissen. Dafür musste er seine Lebensgewohnheiten und seinen Konsum für drei Monate bis ins kleinste Detail protokollieren. Jede Kleinigkeit wurde aufgenommen, vom Auto bis zur Zahnbürste, von der Duschdauer bis zu den Essgewohnheiten seines Hundes.

Das Ergebnis

Natürlich wurden auch bei dieser Bilanzierung Annahmen getroffen und die Auswirkungen auf fünf Umweltparamater beschränkt. Jedoch wurde zum ersten Mal eine so umfangreiche und detaillierte Berechnung durchgeführt, mit einem verheerenden Ergebnis: 27 Tonnen CO2 verursacht der Lebensstil von Dirk Gratzel pro Jahr. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt von zehn bis elf Tonnen der bisher für einen Deutschen angesetzt war. Die Ursachen lagen sowohl bei den häufigen Flügen und Autofahrten, aber auch in der Ernährung sowie dem Energieverbrauch des Eigenheims.

Wie kann das verbessert werden?

Das Team um Prof. Finkbeiner entwickelte daraufhin 60 Maßnahmen, wie diese Emissionen gesenkt werden können. Die Umsetzung erforderte eine tiefgreifende Lebensstiländerung von Dirk Gratzel: keine Flüge, kein industriell hergestelltes Fleisch oder Milchprodukte, Transport vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln, energetische Sanierung seines Hauses und nur noch 45 Sekunden lang Duschen. Der morgendliche Kaffee und Hund Emil mussten aber bleiben.

Ein deutlich besseres Ergebnis, aber reicht das aus?

In einer zweiten Ökobilanz wurde die Wirksamkeit dieser Maßnahmen überprüft, mit einem überraschend guten Ergebnis: Fast 20 Tonnen CO2 konnten eingespart werden, nun verursachte der Lebensstil von Dirk Gratzel „nur noch“ knapp acht Tonnen CO2 pro Jahr. Doch so beeindruckend diese Reduktion auch ist, die Zielvorgabe für eine klimaneutrale Lebensweise sind zwei Tonnen CO2 pro Jahr. Aber kann dies in einer westlichen Welt realistischer Weise erreicht werden, wenn bereits jetzt weitgehende Verzichte und persönliche Einschränkungen von Dirk Gratzel erforderlich waren?

Was können wir tun?

Diese Frage ist auch für Prof. Finkbeiner unmöglich zu beantworten, denn wie das Projekt gezeigt hat, belastet selbst ein sehr eingeschränkter westlicher Lebensstil den Planeten stark. Für Prof. Finkbeiner ist deshalb klar, dass es in der Forschung zukünftig auch mehr um die Wiedergutmachung der vom Menschen verursachten Schäden gehen muss. Zerstörte Ökosysteme zu regenerieren oder wiederherzustellen wird ein wichtiger Schritt in der Erhaltung unserer Lebensgrundlage sein, eine virtuelle Kompensation ist nicht ausreichend.