Umweltpakt Bayern

 

Energieausweis für Gebäude

Letzte Aktualisierung: 14.06.2019, Quelle: BMWi, BMVBS, dena, vz-nrw

Der Energieausweis – Inhalt und Verbreitung

Der Energieausweis informiert über die Energieeffizienz eines Gebäudes und die möglichen energetischen Modernisierungsmaßnahmen. Damit hilft er potenziellen Eigentümern, Käufern, Mietern und Pächtern, ihren künftigen Energiebedarf für Heizung und Warmwasserbereitung abzuschätzen und zu beurteilen. Die Geltungsdauer der Ausweise beträgt grundsätzlich zehn Jahre. Ausweise werden immer für das ganze Objekt erstellt, nicht für einzelne Wohneinheiten.
Der Bauherr bzw. der Eigentümer muss dafür sorgen, dass nach Fertigstellung des Neubaus bzw. nach Sanierung eines Bestandsgebäudes ein gültiger Energieausweis vorliegt. Darüber hinaus ist es bei Vermietung oder Verkauf von Gebäudebestand notwendig, einen gültigen Nachweis über den Energieverbrauch erstellen zu lassen.
Ein derartiger Energieausweis muss dem Käufer bzw. dem Mieter bei der Besichtigung vorgelegt und bei der Übergabe der Immobilie ausgehändigt werden. Bei Immobilienanzeigen müssen die Energiekennwerte (bei Neubauten zusätzlich die Energieeffizienzklasse A+ bis H) angegeben werden.



Ziel

40 % des Energieverbrauchs entfallen auf Gebäude. 70 % des Gebäudebestands sind mit niedrigem energetischem Standard gebaut. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Zustand bis 2050 zu verbessern und einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Zur Unterstützung dieses Vorhabens wurde die Einführung des Energieausweises beschlossen. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Schaffung einer höheren Markttransparenz im Immobiliensektor.

Die Energieeinsparverordnung 2014 (EnEV 14)

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) ist seit 2007 eine wichtige Maßnahme zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden. Am 1. Mai 2014 ist die Novellierung EnEV 2014 in Kraft getreten. Sie setzt die EU Gebäuderichtlinie von 2010 (Richtlinie 2010/31/EU) um. Die EnEV 2014 verschärft den Energiestandard für Neubauten ab 2016 und fordert die Nachrüstung im Bestand. Das Gebäude muss vorgegebene Werte bei Primärenergiebedarf, Wärmeschutz, Hitzeschutz, Luftdichtigkeit und Luftwechsel aufweisen. Diese Verordnung soll dazu beitragen den Energieverbrauch im Gebäudesektor (Heizung, Lüftung, Kühlung, Beleuchtung und Warmwasserbereitung) zu senken. Die wichtigsten Neuerungen im Vergleich zur EnEV 2009 sind:


Neubauten
  • Verringerung des Jahres-Primärenergiebedarfs der neu gebauten Wohn- und Nichtwohngebäude um 25 %
  • Verbesserung der Wärmedämmung der Gebäudehülle um 20 % (Wärmedurchgangskoeffizient).
  • Ab 2019 gilt für alle öffentlichen Gebäude und ab 2021 für alle Neubauten der von der EU geforderte Niedrigstenergie-Gebäudestandard. Nach der EU-Gebäuderichtlinie 2010 ist ein Niedrigstenergiegebäude ein Gebäude, das eine sehr gute Gesamtenergieeffizienz aufweist. Der Energiebedarf des Gebäudes muss sehr gering sein und soll, soweit möglich, zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden.


Bestehende Gebäude
  • Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen betrieben werden und nach dem 01. Januar 1985 eingebaut wurden, müssen nach 30 Jahren außer Betrieb genommen werden. Wurden die entsprechenden Heizkessel vor 1985 eingebaut, dürfen diese schon ab 2015 nicht mehr betrieben werden. Ausnahmen gelten für Niedertemperatur- und Brennwertkessel sowie für bestimmte selbstnutzende Ein- und Zweifamilienhauseigentümer. Im Falle eines Eigentümerwechsels muss der neue Hauseigentümer diesen innerhalb von zwei Jahren austauschen.
  • Oberste Geschossdecken müssen bis Ende 2015 gedämmt werden, wenn sie nicht die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz erfüllen.

Details zu den Berechnungsgrundlagen

Es wird unterschieden zwischen einem bedarfs- und einem verbrauchsbasierten Energieausweis.
Beim Bedarfsausweis wird der Energiebedarf eines Gebäudes über die Analyse der Bausubstanz sowie der Heizungs- und Klimaanlagen ermittelt. Er bildet den Jahres-Primärenergie- und Heizenergiebedarf für u.a. Heizung, Warmwasserbereitung, bei Nichtwohngebäuden zusätzlich Lüftung, Kühlung und eingebaute Beleuchtung, unabhängig von den Verbrauchsgewohnheiten der Bewohner ab.
Der Verbrauchsausweis gibt den gemittelten tatsächlichen Energieverbrauch der drei vorangegangenen Kalenderjahre an und wird lediglich um witterungsbedingte Einflüsse bereinigt. Hier spiegeln sich vor allem die Verbrauchsgewohnheiten der Bewohner wider. Über die energetische Qualität des Gebäudes und der Anlagen sagt er wenig aus.
Bei Energieausweisen für Bestandsgebäude besteht Wahlfreiheit, ob der berechnete Energiebedarf oder der tatsächliche Energieverbrauch herangezogen wird.

Kosten für die Erstellung eines Energieausweises

Die Kosten für den Energieausweis sind zwischen dem Kunden und Aussteller frei verhandelbar und richten sich nach dem Aufwand für die Analyse des Gebäudes. Verbrauchsausweise werden bereits für unter 100 Euro angeboten, Bedarfsausweise kosten mindestens 150 Euro. Im Internet finden sich auch Billigangebote für Energieausweise. Diese sind jedoch oft von mangelhafter Durchführung und fragwürdiger Qualität. Wenden Sie sich an einen vertrauenswürdigen Anbieter, der gewissenhaft arbeitet und Ihnen einen korrekten und aussagekräftigen Energieausweis ausstellen kann.

Ausstellungsberechtigte

Die EnEV gibt eine genaue und abschließende Aufzählung der notwendigen Qualifikationen für die Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt werden:
  • Absolventen von Hoch- und Fachhochschulen (Architektur, Hochbau, Bauingenieurwesen, Gebäudetechnik, Bauphysik, Maschinenbau, Elektrotechnik) mit
    • Ausbildungsschwerpunkt Energiesparendes Bauen und erfolgreicher Fortbildung, die den wesentlichen Inhalten des Anhang 11 entspricht oder
    • Bauvorlageberechtigung
Für Wohngebäude sind zudem berechtigt:
  • Innenarchitekten
  • Handwerksmeister (Bauhandwerk, Heizungsbau, Installation, Schornsteinfegerwesen)
  • staatliche anerkannte Techniker (Hochbau, Bauingenieurwesen, Gebäudetechnik)
jeweils mit erfolgreicher Fortbildung, die den wesentlichen Inhalten des Anhangs 11 der neuen EnEV entspricht.

Es gibt keine offizielle Liste von Ausstellungsberechtigten. Hinweise sind auf diversen Internetseiten zu finden. So nimmt die Deutsche Energie-Agentur nur Aussteller in ihre Expertendatenbank auf, die überprüft wurden.

Auch die Energie-Effizienz-Expertenliste für Bundesförderprogramme gibt Hinweise auf vertrauenswürdige Sachverständige. Diese sind darüber hinaus auch befähigt KfW-Fördermittel zu beantragen.