Umweltpakt Bayern

ForCYCLE

Ergebnisse der Online-Umfrage zur Ressourceneffizienz in der bayerischen Wirtschaft

Die Steigerung der bayerischen Ressourceneffizienz stellt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe dar. Durch eine ressourceneffiziente Gestaltung von Produktionsprozessen können Unternehmen die Abhängigkeit von Rohstoffimporten und die mit dem Rohstoffverbrauch verbundenen Umweltauswirkungen entscheidend verringern. Die betrieblichen Effizienzgewinne, die Anstrengungen der öffentlichen Hand und die Veränderungen im privaten Konsumverhalten tragen außerdem dazu bei, die auf Bundes- und Landesebene formulierten Nachhaltigkeitsziele in Bezug auf die Ressourceneffizienz zu erreichen.

Die Bayerische Staatsregierung räumt dem Thema seit langem hohen Stellenwert ein und hat unter anderem den vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) finanzierten Projektverbund »ForCYCLE – Rohstoffwende Bayern« ins Leben gerufen. Zur Fortführung dieses erfolgreichen Verbundes und einer noch engeren Verzahnung mit der betrieblichen Praxis wurde im Auftrag des StMUV eine Online-Umfrage in der bayerischen Wirtschaft durchgeführt, die weitere Forschungsthemen und Anforderungen an Ressourceneffizienzmaßnahmen in Unternehmen abgefragt.

Mit der Gestaltung und Auswertung der Umfrage sowie der Verarbeitung der Ergebnisse wurde ein Konsortium, bestehend aus der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden (Prof. Dr. Mario Mocker) und dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, Institutsteil Sulzbach-Rosenberg (Hon. Prof. Dr.-Ing. Matthias Franke), beauftragt.

Die anonymisierte und über verschiedene digitale Kanäle versandte Umfrage sollte in etwa 5 Minuten durch die Unternehmen beantwortet werden können. Dazu wurden allgemeine unternehmensspezifische Daten zu Branche, Mitarbeiteranzahl und Jahresumsatz erhoben und spezifische Fragen in den folgenden vier Kategorien gestellt:

  1. Werkstoffe und Materialien
  2. Produkte
  3. Prozessgestaltung
  4. Organisation

Weiter sind die Fragen zu den einzelnen Kategorien in die nachfolgenden vier auswählbaren Optionen (Mehrfachnennungen möglich) untergliedert worden, die zusammen mit den vier genannten Kategorien eine Ergebnismatrix ergeben.

  1. Zu diesem Thema sind in den letzten 5 Jahren Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz in unserem Unternehmen unternommen worden.
  2. Zu diesem Thema sehen wir in den kommenden 5 Jahren Potenziale zur Steigerung der Ressourceneffizienz in unserem Unternehmen.
  3. Bei diesem Thema sehen wir Hindernisse / Hemmnisse zur Umsetzung von Ressourceneffizienzmaßnahmen.
  4. Bei diesem Thema sehen wir Forschungsbedarf.

Im Folgenden sollen die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage dargestellt werden.

Unternehmensdaten

84 % der Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind in den Branchen »verarbeitendes Gewerbe« (47 %) und »Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Dienstleistungen« (37 %) tätig, 11 % der Befragten wurden dem Baugewerbe zugeordnet. Aus weiteren Branchen haben meist nur einzelne Unternehmen teilgenommen (je 2 %). Hinsichtlich der Anzahl der Mitarbeiter sowie des Jahresumsatzes ergab sich, wie Abbildung 1 zeigt, hingegen eine deutlich homogenere Verteilung, mit leichter Tendenz zu Großunternehmen (>251 Mitarbeiter, Jahresumsatz >50 Mio. Euro).

Erläuterung im vorangehenden TextBild vergrössern Abbildung 1: Anzahl der Mitarbeiter und Jahresumsatz der Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben

Werkstoffe und Materialien

In der Kategorie "Werkstoffe und Materialien" wurden drei grundlegende Bereiche sowie ein allgemeiner / sonstiger Bereich abgefragt, wobei Mehrfachnennungen möglich waren:

  1. Neu- und Weiterweiterentwicklungen von Materialien / Werkstoffen (z.B. Ressourceneinsparung durch Entwicklung eines leistungsfähigeren oder haltbareren Materials),
  2. Substitution von Werkstoffen / Materialien,
  3. Erhöhter Einsatz von Recyclingmaterial und
  4. Sonstige Maßnahmen im Kontext »Materialien«.

In allen der drei erstgenannten Bereiche sind bei mehr als 50 % der Unternehmen bereits Maßnahmen erfolgt (letzte 5 Jahre) und/oder geplant (kommende 5 Jahre). Anders ergibt sich dieses Bild hingegen bei Hindernissen / Hemmnissen in der Umsetzung: Hier haben nur vergleichsweise wenige Unternehmen (29 %) angegeben, Hindernisse / Hemmnisse im Bereich der Neu- und Weiterentwicklungen zu sehen, während rund die Hälfte der Unternehmen (54 %) diese im Bereich der Substitution und mehr als ¾ alle Befragten (79 %) bei einem erhöhten Einsatz von Recyclingmaterial sahen. Entgegengesetzt sagten jedoch 81 % bzw. 77 % der Befragten aus, Forschungsbedarf wäre bei Neu- und Weiterentwicklungen bzw. der Substitution gegeben.

Erläuterung im vorangehenden TextBild vergrössern Abbildung 2: Ergebnisse der Online-Umfrage in der Kategorie »Werkstoffe und Materialien«

Mit der, in Bezug auf die Substitution gestellten Frage »Welche Werkstoffe und Materialien wurden / sollen verändert werden?« gaben die meisten Unternehmen »Kunststoffe« (52 %) an, gefolgt von

  • Verbundwerkstoffe wie z.B. glas- und carbonfaserverstärkten Kunststoffen (GFK, CFK) oder Wärmedämmverbundsysteme: 36 %,
  • Massenmetalle und ihren Legierungen (Al, Cu, Fe, Pb, Zn): 32 % und
  • Naturprodukte (z.B. aus nachwachsenden Rohstoffen: 29 %)

Werkstoffe / Materialien bezogen auf Technologiemetalle, Edelmetalle und ihre Legierungen wurden hingegen von nur 23 % der Befragten genannt.

Die größten Hindernisse / Hemmnisse zum Erreichen einer Substitution von Werkstoffen und Materialien gaben 55 % der befragten Unternehmen mit mangelnder Technologiereife und -verfügbarkeit an. Hinsichtlich Hindernissen / Hemmnissen für einen erhöhten Einsatz von Recyclingmaterial wurde mit 59 % der gleiche Grund genannt sowie mit 53 % entgegenstehende Anforderungen an die Produkt- und Prozessgestaltung (z.B. Produktsicherheit, gesetzl. Auflagen, Kundenwünsche).

Produkte

In der zweiten Kategorie "Produkte" wurden folgende Bereiche abgefragt (Mehrfachnennungen möglich):

  • Maßnahmen der Produktpolitik (z.B. Verbraucherhinweise für eine ressourcenschonende Produktnutzung),
  • Maßnahmen zur Steigerung der Produktlebenszeiten (z.B. Reparierbarkeit, Wartungsfreundlichkeit),
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Recyclings von Produkten an ihrem Lebensende,
  • onstige Veränderungen des Produktdesigns (z.B. Gesamtzyklusbetrachtung, Verringerung des Materialeinsatzes durch Veränderung des Produktdesigns) und
  • Sonstige Maßnahmen im Kontext »Produkte«.

Hier ergab sich sowohl zu den Fragen hinsichtlich bereits erfolgter als auch geplanter Maßnahmen, ebenso wie bei Hindernissen / Hemmnissen folgendes Bild: rund die Hälfte aller befragten Unternehmen (40 - 70 %) nannten die ersten drei oben aufgeführten Bereiche, wobei nur den Maßnahmen zur Steigerung der Produktlebenszeit eine meist leicht untergeordnete Wichtigkeit eingeräumt wurde; eine zukünftig leicht erhöhte Bedeutung wird in den kommenden 5 Jahren hingegen Maßnahmen zur Verbesserung des Recyclings von Produkten eingeräumt. Im Kontext dieser geplanten Maßnahmen wird von einem Großteil der Unternehmen (82 %) aber auch gleichzeitig ein hoher Forschungsbedarf gesehen.

Erläuterung im vorangehenden TextBild vergrössern Abbildung 3: Ergebnisse der Online-Umfrage in der Kategorie »Produkte«

Prozessgestaltung

In der dritten Kategorie Prozessgestaltung wurden insgesamt sechs Bereiche abgefragt (Mehrfachnennungen möglich):

  • Automatisierung und Digitalisierung,
  • Verringerung von Ausschuss-/ Fehlerquoten bei der Produktion,
  • Externe Kreislaufführung von Produktionsrückständen,
  • Betriebsinterne Kreislaufführung von Produktionsrückständen,
  • Sonstige Maßnahmen der Abfallvermeidung (z.B. durch Reduzierung des Verschnittes) und
  • Sonstige Maßnahmen im Kontext »Prozessführung«.

Die Wichtigkeit des in den Medien bereits häufig angesprochenen Themas »Automatisierung und Digitalisierung« zeichnet sich auch in den Ergebnissen der Umfrage ab: So gaben 84 % der befragten Unternehmen an, in den letzten 5 Jahren hierzu bereits Maßnahmen ergriffen zu haben und 61 % diese in den kommenden 5 Jahren vornehmen zu wollen. Hindernisse / Hemmnisse sowie Forschungsbedarf sehen dabei rund die Hälfte der befragten Unternehmen, wobei die häufigsten Hindernisse / Hemmnisse eine mangelnde Technologiereife und -verfügbarkeit sowie fehlende personelle Ressourcen sind. Auch der Bereich »Verringerung von Ausschuss-/ Fehlerquoten in der Produktion« spielte bereits bei 74 % der Befragten eine große Rolle und soll zukünftig von 58 % der Unternehmen betrachtet werden. Hindernisse / Hemmnisse sowie Forschungsbedarf bestehen hier jedoch nur bei 38 bzw. 35 %. Einen geringeren Stellenwert nahm in den letzten 5 Jahren und wird in den kommenden 5 Jahren hingegen die externe und betriebsinterne Kreislaufführung von Produktionsrückständen einnehmen. Grund hierfür können – vor allem bei der externen Kreisaufführung – Hindernisse / Hemmnisse sein, die 56 % der befragten Unternehmen angaben. Die größten Hindernisse / Hemmnisse gaben die Unternehmen dabei nicht nur mit mangelnder Technologiereife und -verfügbarkeit sowie entgegenstehenden Anforderungen an die Produkt- und Prozessgestaltung (je 44 %) an, sondern auch mit Bedenken zur Wirtschaftlichkeit (z.B.: personeller Aufwand, Kosten-Nutzen-Verhältnis) sowie fehlenden, bzw. geeigneten personellen Ressourcen (je 33 %).

Erläuterung im vorangehenden TextBild vergrössern Abbildung 4: Ergebnisse der Online-Umfrage in der Kategorie »Prozessgestaltung«

Organisation

In der letzten, abgefragten Kategorie wurden im Kontext "Organisation" folgende Bereiche beleuchtet (Mehrfachnennungen möglich):

  • Einführung innovativer Geschäftsmodelle (z.B. »Nutzen statt besitzen«, Leasing- und Sharing-Modelle),
  • Benennung/ Einstellung eines Betriebsbeauftragten für Ressourceneffizienz und
  • Sonstige Maßnahmen im Kontext »Organisation«.

Die Einführung innovativer Geschäftsmodelle war bislang bei nur 47 % der Unternehmen ein Thema, entsprechende Maßnahmen sollen aber hingegen bei 57 % der Unternehmen in den kommenden 5 Jahren ergriffen werden. Gründe hierfür können vor allem Hindernisse / Hemmnisse sein (77 % nannten die Wirtschaftlichkeit als wichtigsten Grund), was sich auch in einem hohen Forschungsbedarf (78 % der Unternehmen) widerspiegelt. Die Benennung / Einstellung eines Betriebsbeauftragten für Ressourceneffizienz wurde bereits von knapp ¾ der Unternehmen durchgeführt, während 57 % hierzu mittelfristig Maßnahmen planen. Während zu diesem Bereich zwar kaum Forschungsbedarf besteht, sehen mehr als die Hälfte der Unternehmen Hindernisse / Hemmnisse, wobei 90 % der Unternehmen die Wirtschaftlichkeit als Hauptgrund angaben.

Erläuterung im vorangehenden TextBild vergrössern Abbildung 5: Ergebnisse der Online-Umfrage in der Kategorie »Organisation«

Durchgeführt und erstellt durch:

Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Amberg-Weiden
Prof. Dr. Mario Mocker.

Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, Institutsteil Sulzbach-Rosenberg
Dr. Peter Hense
Hon. Prof. Dr.-Ing. Matthias Franke.

Weiterführende Informationen

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