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Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung (ISO 26000)

Quelle: LfU, ISO, Dr. Arnd Hardtke, Annette Kleinfeld

Der Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung (ISO 26000) der International Organization for Standardization (ISO) wurde auf Grundlage eines Multi-Stakeholder-Ansatzes erarbeitet, wobei Fachleute aus mehr als 90 Ländern und 40 internationalen oder regionalen Organisationen einbezogen wurden. Diese Fachleute vertraten sechs unterschiedliche Anspruchsgruppen: Konsumenten, Behörden, Wirtschaft, Erwerbstätige, Nichtregierungsorganisationen, sowie Dienstleistung, Beratung, Forschung, Wissenschaft, und Sonstige.

Zielgruppe


Die ISO 26000 richtet sich nicht nur an Unternehmen, sondern an alle Arten von Organisationen. Daher wird der Begriff "kleine und mittlere Organisationen (KMO)" anstelle von "kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)" verwendet.

Ziele


In dem Leitfaden wird kein Managementsystem beschrieben. Somit kann die ISO 26000 auch nicht direkt zur Prüfung und Zertifizierung der Leistungen einer Organisation im Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung herangezogen werden. Der Leitfaden beruht vielmehr auf Freiwilligkeit und hat das Ziel, Organisationen bei der Entwicklung, Umsetzung und Verbesserung bestehender Instrumente zur Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung zu unterstützen.

Aufbau und Inhalt der Norm


Kernthemen


Die ISO 26000 definiert gesellschaftliche Verantwortung anhand von sieben Kernthemen, die für jede Organisation wichtig sind. Es handelt sich dabei um:

  1. Organisationsführung

  2. Menschenrechte

  3. Arbeitspraktiken

  4. Umwelt

  5. Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken

  6. Konsumentenanliegen

  7. Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft


Obwohl eine Organisation die Kernthemen ganzheitlich betrachten sollte, kommt der "Organisationsführung" eine besondere Bedeutung zu, da sie neben der Personalführung alle Steuerungs- und Überwachungsmechanismen beinhaltet. Damit ist sie der Hebel, um über die anderen Kernthemen gesellschaftlich verantwortlich zu handeln.

Handlungsfelder


Konkretisiert werden die Kernthemen durch Handlungsfelder, die eine Organisation bei der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung berücksichtigen sollte.

Vorteile der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung


Organisationen können durch die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung an verschiedenen Stellen profitieren, u. a.:

  • Bei der Entscheidungsfindung, wenn diese auf Grundlage der gesellschaftlichen Erwartungen an die Organisation getroffen wird.

  • Das öffentliche Ansehen der Organisation steigt.

  • Die Organisation wird wettbewerbsfähiger, da sich der Zugang zum Kapitalmarkt und die Stellung als bevorzugter Partner verbessern kann.

  • Produktionskosten können eingespart werden.

  • Die Motivation der Mitarbeiter kann erhöht werden.

  • Neue Mitarbeiter können leichter für die Organisation angeworben werden.

  • Potentiellen Konflikten mit Konsumenten wird durch deren Einbeziehung vorgebeugt.



Vorgehen


Eine Organisation sollte sich mit allen Kernthemen beschäftigen. Dabei gilt, dass nicht alle Handlungsfelder für jede Organisation relevant sind. Zur Bestimmung welche Handlungsfelder relevant sind, empfiehlt der Leitfaden folgendes Vorgehen:

  • Den gesamten Umfang ihrer Aktivitäten einer Organisation abzubilden.

  • Die Anspruchsgruppen der Organisation identifizieren.

  • Die Aktivitäten sowohl der eigenen Organisation als auch der Organisationen innerhalb ihres Einflussbereiches identifizieren. Die Entscheidungen und Aktivitäten von Lieferanten und Vertragspartnern können Auswirkungen auf die gesellschaftliche Verantwortung der Organisation haben.

  • Feststellen, welche Kernthemen und Handlungsfelder sich aus den Aktivitäten ergeben können, die die Organisation und Dritte innerhalb ihres Einflussbereichs und/oder innerhalb der Wertschöpfungskette durchführen.

  • Prüfen, inwieweit die Entscheidungen und Aktivitäten der Organisation Auswirkungen auf die Anspruchsgruppen und die nachhaltige Entwicklung haben.

  • Prüfen, inwieweit Anspruchsgruppen und Handlungsfelder gesellschaftlicher Verantwortung die Entscheidungen, Aktivitäten und Pläne der Organisation beeinflussen können.

  • Alle Handlungsfelder gesellschaftlicher Verantwortung bestimmen, die sich sowohl auf alltägliche, als auch auf jene Tätigkeiten beziehen, die nur unter besonderen Umständen auftreten.


Anschließend sollte die Organisation die identifizierten Handlungsfelder nach ihrer Wesentlichkeit ordnen. Anhaltspunkte können sein:

  • Auswirkungen des Handlungsfelds auf die Anspruchsgruppen

  • Folgen einer Nicht-Beachtung des Handlungsfelds

  • Erwartungen der Gesellschaft



Umsetzung


Im Anhang des Leitfadens finden sich Initiativen und Hilfsmittel, die sich auf ein oder mehrere Handlungsfelder der ISO 26000 beziehen. Sie sollen Organisationen bei der konkreten Umsetzung einzelner Maßnahmen behilflich sein. Beispiele sind der United Nations Global Compact (UNGC), die Global Reporting Initiative (GRI) oder die Social Accountability International (SAI).