Umweltpakt Bayern

 

Biodiversitätsmanagement als Beitrag zum Umweltmanagementsystem

Letzte Aktualisierung: 20.02.2018, Quelle: LfU

Wirtschaft und Biodiversität

Wirtschaftsprozesse benötigen ökologische Ressourcen. Unternehmen nutzen Biodiversität, hängen von den Leistungen der Natur ab und haben zugleich durch ihre wirtschaftlichen Aktivitäten einen gravierenden Einfluss auf die Biodiversität. Die Gewinnung von Rohstoffen, die Produktionsprozesse und auch der Warentransport haben direkte und indirekte Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Unternehmen sind also sowohl Nutzer der Biodiversität als auch Verursacher und zugleich Leidtragende des Biodiversitätsverlustes.
Jedoch sind die Wirkungen unternehmerischen Handelns auf die biologische Vielfalt sehr komplex. Die Identifizierung von Umweltaspekten mit Relevanz für die Biodiversität und die Umsetzung von Maßnahmen, die dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegenwirken, kann sich mitunter als schwierig erweisen. Dies liegt zum einen an der Vielzahl der potentiellen Aspekte, die mit diesem Thema verbunden sind. Zum anderen fehlt es an aussagekräftigen Kennzahlen und Indikatoren, um den Erfolg von ergriffenen Maßnahmen messbar zu machen.

Biodiversität im Umweltmanagement

Um die Reduzierung negativer Einflüsse systematisch anzugehen ist es daher sinnvoll, den Schutz der biologischen Vielfalt in ein bereits bestehendes Nachhaltigkeits- oder Umweltmanagementsystem zu integrieren. Diese haben das Potential, Unternehmen bei der strukturierten und kontinuierlichen Reduzierung der negativen Wirkungen auf die Biodiversität zu unterstützen.

Biodiversität im europäischen Umweltmanagementsystem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS)

Das europäische Umweltmanagementsystem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) ist das erste Umweltmanagementsystem, das die biologische Vielfalt als einen Schlüsselbereich ausweist. Es enthält konkrete Anforderungen bezüglich Biodiversität in der EMAS Umweltprüfung, sowie in der Berichterstattung im Rahmen der EMAS-Umwelterklärung.
EMAS-zertifizierte Organisationen müssen prüfen, welche Auswirkungen ihre Betriebsabläufe auf die Biodiversität haben. Zudem wird die Nutzung von natürlichen Ressourcen und Rohstoffen erfasst. Organisationen müssen außerdem nachweisen, dass bedeutende Umweltaspekte im Zusammenhang mit Beschaffungsverfahren ermittelt und entsprechende Auswirkungen im Managementsystem berücksichtigt wurden.
Stellt sich heraus, dass die Organisation direkte oder indirekte negative Wirkungen auf die Biodiversität hat, sollten Ziele und Maßnahmen zur Minderung der negativen Wirkungen definiert und im Umweltprogramm festgehalten werden.
Im Rahmen der Umwelterklärung müssen zertifizierte Organisationen über Biodiversitätsaspekte berichten. Kernindikator ist hier der „Flächenverbrauch“, d. h. es muss mindestens über die Entwicklung des Flächenverbrauchs berichtet werden. Allerdings sind Organisationen angehalten, sich nicht auf diesen Indikator zu beschränken sondern weitere aussagekräftige Angaben zu machen, um die kontinuierliche Reduzierung der negativen Wirkungen auf die Biodiversität zu belegen. Im Bereich naturnahe Gestaltung von Firmengeländen bieten sich beispielsweise Angaben zum Anteil der Flächen, die im Rahmen eines Naturschutzkonzepts bewirtschaftet werden, Anteil der naturnah gestalteten Flächen, Anteil der Dächer und Fassaden mit Vegetation, und zur Anzahl der geschaffenen Habitatstypen an. Im Bereich Einkauf/Lieferkette könnten Angaben zu Anzahl der beschafften Produkte, für die Kriterien zur biologischen Vielfalt vorliegen, Anzahl der beschafften zertifizierten Produkte, sowie zur Anzahl der Lieferanten, die über die Bedeutung des Biodiversitätsmanagements des Unternehmens informiert wurden, gemacht werden.
Die Berichterstattung über die Auswirkungen der (unternehmerischen) Aktivitäten der Organisation auf die Biodiversität gehört zu den formellen Kriterien von EMAS. Es ist somit ein ausgezeichnetes Instrument, um der steigenden Nachfrage nach Transparenz und Verantwortung bezüglich des Umweltschutzes zu entsprechen.

Biodiversität in ISO 14001

Auch die internationale Umweltmanagementsystemnorm der „International Organisation for Standardisation“ ISO 14001 ist geeignet, um die Biodiversitäts-Performance eines Unter-nehmens zu verbessern. Zwar ist die biologische Vielfalt kein obligatorisches Handlungsfeld, jedoch beinhaltet die Norm Referenzen zu Biodiversität. Nach einer Bewertung der Relevanz von Biodiversität für das Unternehmen soll der Ist-Zustand bewertet werden. Das Umweltprogramm soll Ziele und Maßnahmen zur Reduzierung der negativen Wirkungen auf die biologische Vielfalt enthalten. Eine obligatorische Berichterstattung ist jedoch im Gegensatz zu EMAS nicht vorgesehen.

Förderung von Umweltmanagementsystemen

Im Rahmen des Bayerischen Umweltmanagement- und Auditprogramms (BUMAP) fördert der Freistaat Bayern bayerische Unternehmen die, in Projektgruppen organisiert, ein Umweltmanagementsystem nach EMAS oder ISO 14 001 oder auch ein Umweltmanagement nach den Vorgaben des Qualitätsverbunds umweltbewusster Betriebe (QuB) oder des Ökologischen Projekts für integrierte Umwelttechnik (ÖKOPROFIT) einführen wollen.