Umweltpakt Bayern

 

Ökostrom

Letzte Aktualisierung: 09.04.2017, Quelle: LfU, BMUB, EnergieVision e.V., Grüner Strom Label e.V., UBA

Was ist Ökostrom?

Der Begriff Ökostrom oder auch „Grüner Strom“ ist keine geschützte Marke und wird unterschiedlich definiert. Zumeist bezeichnet man damit Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Dazu zählen Wasserkraft, Sonnenenergie, Windenergie, Geothermie und Biomasse. Je nach Definition wird auch Strom aus Kraftwerken, welche die unvermeidliche Abwärme für Wärmeanwendungen in Industrie, Gewerbe oder in Gebäuden nutzen (Kraft-Wärme-Kopplung), als Ökostrom bezeichnet.

Kommt bei mir nur Ökostrom an, wenn ich einen Ökostrom-Tarif abgeschlossen habe?

In dieser Vermutung liegt einer der größten Irrtümer der Ökostrom-Debatte. Denn man muss sich den Strommarkt wie einen riesigen See vorstellen, zu dessen Speisung alle Stromproduzenten beitragen – egal ob sie ihren Strom in Kohle-, Atom- und Gaskraftwerken oder durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen herstellen. Aus dem Strommix-See, bedienen sich wiederum die regionalen und die überregionalen Energieversorger. Somit erhält quasi jeder Verbraucher denselben Strommix.

Was tun?

Bevor Sie sich für ein Ökostrom-Angebot entscheiden, sollten Sie Folgendes beachten:
  • Eigenen Energieverbrauch prüfen und reduzieren

Der wirkungsvollste Beitrag zum Klimaschutz ist immer noch die Energieeinsparung. Denn Energie, die nicht benötigt wird, muss nicht erzeugt werden, gleich ob sie aus regenerativen oder aus fossilen Energieträgern stammt. Unsere Leitfäden zur Energieeffizienz können Sie bei der Umsetzung unterstützen. Externe Berater können Ihnen ebenfalls helfen, bislang nicht entdeckte Einsparpotenziale aufzuspüren. Eine Beratung für kleine und mittlere Unternehmen wird von der KfW gefördert. Und bleiben Sie kontinuierlich am Ball, nur so können Sie sicher sein, dass Sie wirklich dauerhaft Klima und Geldbeutel schonen und die Effekte nicht nach einer relativ kurzen Zeit wieder verpuffen.




  • Vergleichen Sie die Ökostrom-Angebote

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom und Ökostrom ist nicht per se gut oder schlecht. Denn trotz mancher Kritik sorgt eine größere Nachfrage nach Ökostrom auch für mehr Ökostrom-Angebote auf dem deutschen Energiemarkt und durch die verstärkte Entnahme von Ökostrom aus dem Stromsee wird auch dessen Nachfluss in den See gefördert. Die Stromanbieter tun dies, indem sie sich beispielsweise vertraglich verpflichten, ihre Gewinne in den Bau neuer, mit regenerativen Energien betriebener Anlagen zu investieren.

Darum schauen Sie genau hin, bevor Sie sich für ein Angebot entscheiden. Die verschiedenen Zertifikate bieten Ihnen Anhaltspunkte.

Qualitätsgarantie: Ökostrom-Zertifikate

Für Ökostrom-Zertifikate gibt es in der EU keinen einheitlichen Kriterienkatalog. In Deutschland gibt es private Anbieter, die Gütesiegel nach eigenen Kriterien vergeben. Ziel ist, dem Verbraucher eine Hilfestellung bei der Beurteilung von Ökostrom-Angeboten zu geben. Für die Vergabe solcher Zertifikate ist die Zusammensetzung des Stroms entscheidend: Aus welchen Quellen stammt der Strom und zu welchen Anteilen? Darüber hinaus ist für die Vergabe mancher Zertifikate Voraussetzung, dass ein bestimmter Anteil der Einnahmen in den Bau neuer Anlagen investiert wird und dass die Anlagen ein gewisses Alter nicht überschreiten. Im Folgenden werden die Zertifikate für Ökostrom dargestellt, die es in Deutschland gibt.

ok-power von EnergieVision e.V.

Das ok-power Label wird vom Öko-Institut e.V. in Zusammenarbeit mit der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen vergeben. Im Mittelpunkt der Vergabekriterien des Gütesiegels ok-power steht die Garantie, dass die mit dem Gütesiegel ausgestatteten Produkte zu einem „zusätzlichen Umweltnutzen“ führen. Ein zusätzlicher Umweltnutzen entsteht dann, wenn die Nachfrage nach einem Ökostromprodukt zu einer Ausweitung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien führt, die über die Strommenge hinaus geht, die aufgrund öffentlicher Fördermaßnahmen ohnehin erzeugt wird.

Um einen zusätzlichen Umweltnutzen sicherzustellen, muss der Ökostromanbieter den Neubau von Kraftwerken auf der Basis erneuerbarer Energien oder effizienter gasbetriebener Kraft-Wärme-Kopplung nach quantifizierten Mindestbedingungen fördern. Im Rahmen des ok-power Labels wird dies sichergestellt, indem jedes Jahr mindestens ein Drittel des zertifizierten Stroms aus Anlagen stammen muss, die jünger sind als sechs Jahre. Ein weiteres Drittel muss aus Anlagen kommen, die nicht älter sind als zwölf Jahre. Anlagen, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder vergleichbare Förderinstrumente im Ausland bereits gefördert werden oder in den Genuss einer Förderung kommen könnten, werden dabei unabhängig von ihrem Alter nicht als neue Anlagen anerkannt. Damit müssen die Anbieter der zertifizierten Produkte spätestens alle sechs Jahre neue Anlagen unter Vertrag nehmen, die keine öffentliche Förderung erhalten.



Grüner Strom Label e.V.

Träger des Grüner Strom Label e.V. sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), EUROSOLAR, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Deutsche Naturschutzring (DNR), die Verbraucher Initiative sowie Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e. V. (IPPNW) und die Naturwissenschaftler für den Frieden (NaturwissenschaftlerInnen Initiative).

Das Grüner Strom Label (GSL) kennzeichnet Strom aus regenerativen Energiequellen (REG) und aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Es zielt insbesondere auf die Förderung von solchen REG-Anlagen, die unter jetzigen Bedingungen nicht rentabel arbeiten können. Pro Kilowattstunde fließt 0,2 bis 1 Cent (je nach Strommenge, die gekauft wird) in den Neubau von Anlagen für erneuerbare Energien.




TÜV SÜD-Zertifikat

Das TÜV-Zertifikat wird an Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energiequellen verliehen, sofern diese bestimmte Vergabekriterien erfüllen. So muss der in Form eines Ökostromprodukts bereitgestellte Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Der Strom muss aus Anlagen stammen, die den Regelungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) unterliegen.



TÜV NORD-Zertifikat

Das TÜV NORD Zertifikat bescheinigt, dass der angebotene Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt, der Anbieter deren weiteren Ausbau fördert und die Bilanzierungsverfahren ebenso wie die Kommunikation an den Endkunden hohen Ansprüchen im Hinblick auf Nachvollziehbarkeit und Transparenz genügen.


Das Herkunftsnachweisregister für Ökostrom des Umweltbundesamtes

Seit Januar 2013 gibt es beim Umweltbundesamt (UBA) ein Herkunftsnachweisregister für Ökostrom (HKNR). Damit setzt Deutschland eine europäische Vorgabe für mehr Verbraucherschutz im Strommarkt um (Richtlinie 2009/28/EG). Es werden Herkunftsnachweise erstellt, die bestätigen, dass Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Durch die Herkunftsnachweise wird zuverlässig eine Doppelvermarktung ausgeschlossen.

Der Herkunftsnachweis bescheinigt in der Form eines elektronischen Dokuments, wo und wie Strom aus erneuerbaren Energien produziert und eingespeist wurde. Für jede Megawattstunde erneuerbaren Stroms erhält der Erzeuger genau einen Herkunftsnachweis. Dieses elektronische Dokument wird nach der Lieferung des Stroms an einen Verbraucher für die Stromkennzeichnung verwendet und nach einmaliger Nutzung entwertet. Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien müssen sich und ihre Anlagen beim HKNR registrieren, sofern sie ihren Strom direkt und mit Herkunftsnachweisen vermarkten wollen. Gleichzeitig verzichten sie auf fixe Vergütungen oder Marktprämien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Ab November 2014 dürfen in der Stromkennzeichnung nur noch Herkunftsnachweise verwendet werden, die im HKNR entwertet wurden. Ein Energieversorgungsunternehmen muss für den Anteil „sonstige erneuerbare Energien“, der in der Stromrechnung aufgeführt wird, genau für die angegebene Strommenge Herkunftsnachweise entwertet haben. Diese gesetzliche Anforderung schafft für Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Sicherheit und Transparenz beim Kauf von Ökostrom.

Den Nachweis durch einen Herkunftsnachweis, dass eine bestimmte Menge des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde, dürfen nur Energieversorgungsunternehmen (EVU) führen. Das HKNR verhindert somit zukünftig eine bisher verbreitete Form des einfachen Umetikettierens von Strom mittels Kauf und selbstständiger Entwertung von Herkunftsnachweisen durch Stromverbraucher zur Verbesserung der eigenen Klimabilanz. (Quelle: UBA-Pressemitteilung vom 09.01.2013)

Der Herkunftsnachweis für Ökostrom ist quasi eine „Geburtsurkunde“, aber kein Qualitätssiegel. Achten Sie daher bei der Wahl ihres Stromversorgers neben dem Herkunftsnachweis auch auf die Kriterien des Qualitäts-Zertifikats: Insbesondere sollte der Bau neuer Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung sicher gestellt sein.

Das Herkunftsnachweisregister des UBA ist die nationale Umsetzung des europaweiten European Energy Certificate System (EECS). Damit wird das bislang freiwillig verwendete Renewable Energy Certificate System (RECS), das vom Öko-Institut Freiburg e. V. verwaltet wurde, abgelöst.




Welche Anbieter gibt es?

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Ökostrom nimmt auch die Zahl der Anbieter stetig zu. Daher können wir leider keinen abschließenden Überblick über alle Ökostromtarife geben. Eine erste Anlaufstelle ist aber in der Regel Ihr regionaler Stromanbieter. Eine Möglichkeit zum Preisvergleich verschiedener Ökostromtarife bieten z. B.:





Ökostrom in Zahlen

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der deutschen Stromversorgung hat sich in den letzten Jahren von 3,4 % (1990) kontinuierlich auf rund 22 % (2013) erhöht. Die erneuerbaren Energieträger haben in Bayern an der Nettostromerzeugung einen Anteil von 29,2 % (2011). Davon werden 42,1 % durch Wasserkraft erzeugt, 28,4 % durch Photovoltaik, 26,4 % durch Biomasse und 3,1 % durch Windkraft. Ziel des Bayerischen Energiekonzeptes ist, bis zum Jahr 2021 50 % des bayerischen Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Weiterführende Informationen

Links

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