Umweltpakt Bayern

 

Nachhaltiges Bauen

Letzte Aktualisierung: 29.06.2015, Quelle: BMVBS, DGNB

Beim Nachhaltigen Bauen geht es vereinfacht darum, Gebäude so zu errichten, umzubauen und zu betreiben, dass sie wirtschaftlich, ökologisch, gesellschaftlich und städtebaulich gleichermaßen zukunftsfähig sind.

Bewertungskriterien

Neben der Ökologie, der Ökonomie und dem Soziokulturellen sind insbesondere die technischen Eigenschaften, Planung und Ausführung sowie in Teilen Standortmerkmale für die Errichtung "grüner" Gebäude (engl. green building) qualitätsbestimmend. So lässt sich die Nachhaltigkeit eines Gebäudes über die fünf Qualitäten – ergänzt durch die Standortmerkmale – beschreiben und bewerten. Die unterschiedlichen Nachhaltigkeitsaspekte stehen in der Regel in direkter Wechselwirkung zueinander, so dass eine ganzheitliche Bewertung erforderlich ist.

Ökonomische Dimension

Bei der ökonomischen Dimension der Nachhaltigkeit werden über die Anschaffungs-und Errichtungskosten hinausgehend insbesondere auch die Baufolgekosten betrachtet, die über die gesamte Nutzungs- und Lebensdauer anfallen. Baufolgekosten können die Errichtungskosten um ein Mehrfaches überschreiten. Durch die umfangreiche Lebenszykluskostenanalyse lassen sich zum Teil erhebliche Einsparpotenziale identifizieren.

Folgende Lebenszykluskosten (Life-Cycle-Costs LCC) werden betrachtet:
  • Errichtungskosten
  • Nutzungskosten
  • Rückbaukosten

Ökologische Dimension

Bei der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit wird eine Ressourcenschonung durch einen optimierten Einsatz von Baumaterialien und Bauprodukten und eine Minimierung der Medienverbräuche (z. B. Strom, Wasser) angestrebt. Damit ist in der Regel gleichzeitig eine Minimierung der Umweltbelastungen verbunden. Die Auswirkungen eines Gebäudes auf die Ressourceninanspruchnahme lassen sich durch die Energie- und Stoffströme, die über den Lebenszyklus des Gebäudes anfallen, beschreiben.
  • Schutz natürlicher Ressourcen
  • Schutz des Ökosystems
  • Ökobilanzierung

Eine ökologische Gebäudebewertung muss auf den Ergebnissen einer Ökobilanz nach DIN EN ISO 14040 aufbauen und Werte für das Treibhauspotenzial, Ozonschichtzerstörungspotenzial, Ozonbildungspotenzial, Versauerungspotenzial und Überdüngungspotenzial aufweisen.

Soziale und kulturelle Dimension

Als soziokulturelle Aspekte werden sämtliche Faktoren bezeichnet, die Einfluss auf die soziokulturelle Identität des Menschen haben. Hierzu gehören vor allem immaterielle Werte, wie Integration, Partizipation und Gesundheit sowie Bildung, Demografie, Mobilität oder Lebensqualität. Hierfür müssen für das nachhaltige Bauen zunächst relevante soziale Bedürfnisse und kulturelle Werte identifiziert werden. Es sollten mindestens folgende soziokulturellen Schutzziele berücksichtigt werden:
  • Gestaltung, Ästhetik
  • Gewährleistung der Funktionalität
  • Bewahrung von Gesundheit, Sicherheit und Behaglichkeit
Diese Qualitäten spielen bei der Planung eines Gebäudes eine wesentliche Rolle, denn die Nutzerzufriedenheit wirkt sich im Sinne der Nachhaltigkeit positiv aus und führt zu einer besonderen Wertschätzung und Wertbeständigkeit des Gebäudes.

Technik

Im Themenfeld "Technik" wird der bauliche Zustand eines Bauwerkes erfasst. Hier geht es beispielsweise darum, wie reinigungs-, instandhaltungs- und reparaturfreundlich die eingesetzten Materialien und die Baukonstruktion sind oder welche bauphysikalischen Eigenschaften die Gebäudehülle besitzt.

Planung und Ausführung (Prozessqualität)

Im Themenfeld "Prozessqualität" werden Konzeption und Realisierung des Bauwerks betrachtet. Unter dem Stichwort „Integrale Planung“ wird etwa untersucht, ob und ab wann die beteiligten Fachdisziplinen und Behörden in den Planungsprozess einbezogen werden.

Standort

Standortfaktoren, die positive Wirkungen für Umwelt und Gesellschaft haben, wie z. B. die Anbindung eines Gebäudes an den öffentlichen Personennahverkehr, sollten berücksichtigt werden. Um den Standort aufzuwerten und die Biodiversität zu fördern, kann ein naturnahes Firmengelände realisiert werden.

Bewertungssysteme

Instrumente zur Unterstützung

Für die ganzheitliche Planung sowie für die Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten im Bauwesen stehen mittlerweile eine Reihe von Grundlagen und Arbeitshilfen zur Verfügung, die Hilfestellung für die Lebenszyklusanalyse (Ökobilanzierung, Lebenszykluskostenanalyse) geben und eine Integration von Nachhaltigkeitsaspekten ermöglichen und sicherstellen sollen. Dazu zählen u.a.:

Zertifizierungssysteme

Seit dem Jahr 2000 wurden verschiedene international erfolgreiche Zertifizierungssysteme für Gebäude entwickelt und unter der Aufsicht des WorldGBC verbreitet.
In Deutschland hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. ein nationales Zertifizierungssystem entwickelt.
Einige Zertifizierungssysteme:

Die German Facility Management Association (GEFMA) bietet außerdem in Zusammenarbeit mit der DGNB ein Zertifizierungssystem für die nachhaltige Gebäudebewirtschaftung an. Damit soll der nachhaltige Betrieb von Immobilien und Anlagen auch dann möglich sein, wenn das Gebäude an sich nicht nachhaltig gebaut ist. Die Zertifizierung bezieht sich aktuell auf Bestandsimmobilien, insbesondere auf Büro- und Verwaltungsgebäude.

Normung

In Deutschland und auch international wurden eine Reihe von Planungs- und Bewertungshilfsmitteln, Leitfäden, Checklisten und Datenbanken erarbeitet. Sie weisen jedoch Unterschiede in den Herangehensweisen, den methodischen und datentechnischen Grundlagen sowie den verwendeten Kriterien und Indikatoren auf. Daher bedarf es einer internationalen bzw. europäischen Harmonisierung dieser Grundlagen. Internationale Normen schaffen eine solide Grundlage für nachhaltiges Bauen.
Hier sind unter anderem die Normungsvorhaben im Rahmen von ISO/TC 59/SC 17 "Nachhaltiges Bauen" von Bedeutung, die ihrerseits die Grundlage für das europäische Normungsvorhaben unter CEN/TC 350 "Sustainability of construction works" bilden.