Umweltpakt Bayern

 

Klimaneutralität

Letzte Aktualisierung: 17.09.2014, Quelle: StMUV, DEHSt

Idee

Immer häufiger wird der freiwillige Ausgleich von Treibhausgasen angeboten: wir können klimaneutral fliegen, mit der Bahn oder dem Auto fahren und sogar klimaneutrale Blumensträuße verschenken. Die Idee des Ausgleichs ist einfach: Von Produkten oder Dienstleistungen verursachte Klimagase werden durch Einsparung der gleichen Menge an Emissionen an anderer Stelle ausgeglichen oder - im Fachjargon – kompensiert. Zum Beispiel: Ich fliege von München nach Hamburg, finanziere dafür im Gegenzug den Bau von Solaranlagen in Entwicklungsländern, und zwar von solchen Anlagen, die ohne meine Finanzierung nicht zustande gekommen wären.

Damit klingt es schon nicht mehr ganz so einfach, und beim näheren Hinschauen, spätestens bei der Berechnung der CO2-Bilanzen wird es richtig kompliziert. Daher sollten Unternehmen, die bestehende Angebote nutzen oder klimaneutrale Produkte selber anbieten wollen, unbedingt einige Grundregeln beachten. Denn es geht auch um die Glaubwürdigkeit Ihres Unternehmens.

Grundregeln

Unsere Aktivitäten – fliegen oder Autofahren – sind nie klimaneutral, denn es entstehen dabei immer CO2-Emissionen. Daher ist jede Fahrt, jede klimaschädigende Aktivität, die vermieden werden kann, der Kompensation vorzuziehen! Prüfen Sie daher zunächst Einsparmöglichkeiten. Unter dem Gesichtspunkt der CO2-Emissionen sind Bahnfahrten besser als Flugreisen und Videokonferenzen besser als Bahnfahrten.



Prüfen und vergleichen Sie die Angebote beim Kauf klimaneutraler Produkte und Dienstleistungen. Dies gilt insbesondere bei Kompensationsangeboten von Dienstreisen. Achten Sie dabei auf die folgenden Punkte:

Realitätsnahe Emissionsberechnung

Die Anbieter verwenden unterschiedliche Berechnungsgrundlagen für die CO2-Bilanzierung. Achten Sie darauf, dass internationale Standards für die Berechnung verwendet werden. Sie zahlen bei kostengünstigen Anbietern zwar vielleicht weniger für die Kompensation, machen sich jedoch auch angreifbar, weil nicht alle Treibhausgasemissionen berücksichtigt wurden.




Anspruchsvolle und nachvollziehbare Kompensation

Sie erwerben zur Kompensation Emissionszertifikate über Kompensationsprojekte in Höhe Ihrer CO2-Emissionen. Dabei ist es zunächst wichtig, dass die Zusätzlichkeit des Kompensationsprojekts sichergestellt ist. Die Idee der Kompensation greift ja nur dann, wenn auch wirklich Projekte über Ausgleichszahlungen gefördert werden, die sonst nicht zustande gekommen wären. Weitere wichtige Punkte sind u.a. die Dauerhaftigkeit und die Kontrolle durch unabhängige Dritte.

Transparenz

Der Anbieter sollte über den gesamten Prozess (Berechnungsgrundlagen, Zertifikate, Kompensationsprojekte etc.) transparent informieren. Für weitere Einzelheiten verweisen wir auf den Leitfaden des Umweltbundesamtes (Kapitel 4).
Informieren auch Sie Ihrerseits Ihre Kunden glaubwürdig und transparent über Ihre Aktivitäten im Klimaschutz. Machen Sie deutlich, welche Geschäftsprozesse Sie klimaneutral stellen, bieten Sie Vergleichszahlen an, damit der Kunde Ihre Leistung auch einschätzen kann. Verwenden Sie den Begriff „Klimaneutralität“ eher zurückhaltend und vorsichtig. Das Umweltbundesamt empfiehlt eher die Begriffe klimafreundlich oder klimabewusst.

Einschätzung

Ist Klimaneutralität ein sinnvolles Instrument zum Klimaschutz? Nur mit Kompensationsmaßnahmen sind die vereinbarten internationalen Klimaschutzziele natürlich nicht erreichbar. Dazu ist und war das Instrument auch nicht gedacht. Die Vermeidung und Reduktion von Treibhausgasemissionen müssen Vorrang haben. Setzt man die Kompensation ein im Bewusstsein, dass sie nur begrenzt wirksam ist und beschränkt sie zudem auf unvermeidbare Emissionen, ist sie jedoch eine sinnvolle Maßnahme, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Denn dadurch fließen regelmäßig Gelder in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern, die vor Ort neben der Schaffung von Arbeitsplätzen auch weitere positive Effekte wie z. B. bessere Luftreinhaltung haben. Durch die Förderung einer klimaschonenden Wirtschaftsweise wird auch zu einer nachhaltigen Entwicklung beigetragen.

Hintergründe und weitere Informationen zum Klimaschutz bieten Leitfäden des StMUV und des UBA.