Umweltpakt Bayern

 

Nachhaltige Beschaffung

Letzte Aktualisierung: 01.06.2018, Quelle: BMI, UBA

Ein wichtiger Teilbereich des Nachhaltigkeitsmanagements ist die nachhaltige Beschaffung. Darunter versteht man den Prozess, Produkte und Dienstleistungen zu beschaffen, die geringere Folgen für die Umwelt haben, als vergleichbare Produkte und Dienstleistungen. Von der Herstellung bis zur Entsorgung, unter Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte. Das günstigste Angebot ist meist nicht das wirtschaftlichste, und oft auch nicht das umweltfreundlichste und das sozialste Angebot. Grund dafür sind die schwer einschätzbaren Folgekosten. Je nach Betrieb betrifft das Produkte (z. B.: Beleuchtung, Bürogeräte, Fahrzeuge, Haushaltsgeräte, Ökostrom) sowie Dienst- und Bauleistungen.

Gründe für nachhaltige Beschaffung

Der Einkauf von nachhaltigen Produkten und Leistungen trägt zur Zukunftsfähigkeit des Betriebes bei. Nachhaltige Produkte sind langlebig und schonen Energie und Ressourcen. So sparen sie dem Betrieb Kosten. Wird die Öffentlichkeit über die Maßnahmen informiert, wird dadurch das Image des Betriebs verbessert. Grund dafür sind einerseits die Vorbildfunktion, die das Unternehmen einnimmt und andererseits die erfüllte Erwartung vieler Kunden, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Der Wettbewerbsvorteil zeichnet sich durch die Kosteneinsparung aber auch durch eine langfristige Kunden- und Personalbindung aus. Da der Einkauf das gesamte Haus betrifft, ist er ein guter Einstieg in ein Nachhaltigkeitsmanagement.

Ziel einer nachhaltigen Beschaffung

Mit einer gelebten nachhaltigen Beschaffung soll die Einhaltung von sozialen und ökologischen (Mindest-)Anforderungen über die ganze Lieferantenkette einer Organisation auf der Basis ökonomischer Nachhaltigkeit sichergestellt werden. Um dies zu gewährleisten, integrieren Unternehmen bereits Nachhaltigkeitsaspekte in die Beschaffungs- und Vergabekriterien.

Denkanstoß

Die für den Einkauf Verantwortlichen aber auch jeder Mitarbeitende im Büro kann mit der Unterstützung der Firma einen Teil zu einer umweltfreundlichen Beschaffung beitragen. Die folgenden Fragen können zu einem ersten Check der Beschaffung genutzt werden:
  • Gibt es Produktalternativen aus wieder verwendeten Materialien (Recyclingprodukte)?
  • Kann ein Einwegprodukt durch ein Mehrwegprodukt ersetzt werden?
  • Ist das Produkt langlebig und reparaturfreundlich?
  • Lässt sich Verpackungsmaterial einsparen?
  • Kann der Einsatz von Kunststoffen oder PVC vermieden werden?
  • Enthält das Produkt Lösemittel oder Schwermetalle?
  • Wie hoch sind die direkten und indirekten Folgekosten einer Anschaffung in der Zukunft?
  • Ergeben sich möglicherweise zusätzliche Kosten für die Entsorgung eines Geräts?

Handlungsfeld Produkte

Nachhaltige Beschaffung betrifft im Besonderen die Bereiche:
  • Energie und Ressourcen (z. B. Strom)
  • Mobilität (z. B. Mobilitätsmanagement, Fuhrpark und Geschäftsreisen)
  • Bürobedarf und Ausstattung (z. B. IT)
  • Catering und Geschenke (z. B. nachhaltiges Veranstaltungsmanagement) sowie
  • Abfallmanagement (z. B. durch Beachtung des Recyclingpotentials der Produkte)
Weitere Informationen zu den einzelnen Bereichen finden Sie unter


Erste Schritte

Der Kompass Nachhaltigkeit für kleine und mittlere Unternehmen empfiehlt bei der Einführung von Nachhaltigkeit in den Beschaffungsprozess durch einen Verantwortlichen zuerst die Ausgangslage zu erfassen. Dazu gehört je nach Bedarf die Analyse des Beschaffungsmanagements, der Lieferketten, von Länder- und Branchenrisiken sowie von Standards. Dann kann eine Beschaffungsstrategie und ein Verhaltenskodex definiert werden, die an Mitarbeiter und Zulieferer kommuniziert werden. Damit ist es möglich bestehende Produkte und Zulieferer zu bewerten. Um die Umsetzung sicherzustellen sollten Zulieferer zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards verpflichtet werden. Regelmäßig Kontrollen dienen auch dazu Verbesserungs- und Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten.
Eine ausführliche Beschreibung der Schritte finden Sie unter


Alternativ können Sie sich auch an folgende Umsetzungsvorschläge für globale Verantwortung orientieren.
  • Verhaltenskodex für das eigene Unternehmen entwickeln
  • Nachhaltige Beschaffung einführen
  • Selbstevaluation mittels eines Anti-Korruptionscheck im Bereich Einkauf
  • Überprüfung durch interne und externe Audits
  • Einbindung von Anspruchsgruppen intern und extern
Diese Maßnahmen und die Checkliste finden Sie in der kostenlosen Publikation „FAIRantwortlich handeln“ einem Praxis-Ratgeber zur gesellschaftlichen Verantwortung mittelständischer Unternehmen.


Vergabe in der Verwaltung

Für die öffentliche Beschaffung und Vergabe können bereits nachhaltige Kriterien berücksichtigt werden. Im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen heißt es im vierten Teil Vergabe öffentlicher Aufträge § 97 Satz 3 bereits, dass für die Auftragsausführung zusätzliche Anforderungen an Auftragnehmer gestellt werden können, die insbesondere soziale, umweltbezogene oder innovative Aspekte betreffen. Für die Bundesregierung würden zwölf konkrete Maßnahmen im Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit beschlossen.


Reform des deutschen Vergaberechts 2015/2016

Anlass für die Reform ist die Umsetzung drei neuer EU-Vergaberichtlinien, die bis April 2016 in deutsches Recht umgesetzt werden müssen. Rat, EU-Kommission und Europäisches Parlament haben ein Regelwerk für ein gemeinschaftsweites Vergaberecht vorgelegt. Unter anderem soll eine nachhaltige und innovative Beschaffung gestärkt werden. Am 18.04.2016 ist die Reform des Vergaberechts in Kraft getreten.


ISO 20400

Im April 2017 wurde die ISO 20400 veröffentlicht. Der Leitfaden zur nachhaltigen Beschaffung ist momentan nur auf Englisch verfügbar. Eine Übersetzung ins Deutsche ist für 2018 geplant.