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Nachhaltige Beschaffung

Quelle: BMI, UBA, LfU

Klimaschutz, Nachhaltigkeitsstrategie, Corporate Social Responsability (CSR): Die Themen Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung gewinnen seit Jahren immer mehr an Bedeutung, sowohl in der nationalen als auch in der internationalen Wirtschaft.

Nachhaltige Beschaffung

Ein wichtiger Teilbereich des Nachhaltigkeitsmanagements in einem Unternehmen ist die „Nachhaltige Beschaffung“. Denn das günstigste Angebot ist meist nicht das Wirtschaftlichste, Umweltfreundlichste oder sozial Gerechteste. Grund dafür sind die schwer einschätzbaren ökologischen Folgekosten von Produkten und Dienstleistungen. Um für eine „Nachhaltige Beschaffung“ zu sorgen, müssen deshalb alle sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen eines Produktes oder einer Dienstleistung betrachtet und ausgewertet werden. Beschafft wird am Schluss nur die Option, die in allen Bereichen am besten abschneidet. Je nach Betrieb betrifft das viele unterschiedliche Produkte (z. B.: Beleuchtung, Bürogeräte, Fahrzeuge, Haushaltsgeräte, Ökostrom) sowie Dienst- und Bauleistungen. Da dieser Prozess einen enormen Aufwand für Unternehmen bedeuten kann, gibt es viele Möglichkeiten diesen zu reduzieren, indem unterschiedliche Handlungshilfen und Informationsangebote genutzt werden. Einige werden hier vorgestellt.

Gute Gründe für Nachhaltige Beschaffung

Es gibt sehr viele Argumente, die für eine nachhaltige Ausrichtung in Unternehmen sprechen: steigende Nachfrage am Markt, Umorientierung bei Investoren hin zu „Green Investments“ sowie strengere Gesetzgebung und Regularien. Der Einkauf von nachhaltigen Produkten und Leistungen trägt daher nicht nur zur Resilienz und Zukunftsfähigkeit eines Betriebes bei, sondern auch zu dessen langfristiger Wirtschaftlichkeit. Denn nachhaltige Produkte sind langlebig, schonen sowohl Energie als auch Ressourcen und sparen dem Unternehmen so Kosten. Mit einem zielgerichteten Marketing können die Kunden über die Maßnahmen informiert werden, wodurch sich das Image des Betriebs verbessert. Grund dafür sind einerseits die Vorbildfunktion, die das Unternehmen einnimmt und andererseits die erfüllte Erwartung vieler Kunden, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Der Wettbewerbsvorteil zeichnet sich durch die Kosteneinsparung aber auch durch eine langfristige Kunden- und Personalbindung aus. Mehr Informationen zum Marketing mit Umweltthemen finden Sie in der IZU Werkzeugbox.

Ziel einer nachhaltigen Beschaffung

Mit einer gelebten nachhaltigen Beschaffung soll die Einhaltung von sozialen und ökologischen (Mindest-)Anforderungen über die ganze Lieferantenkette einer Organisation auf der Basis ökonomischer Nachhaltigkeit sichergestellt werden. Um dies zu gewährleisten, integrieren Unternehmen bereits Nachhaltigkeitsaspekte in die Beschaffungs- und Vergabekriterien. Da der Einkauf das gesamte Haus betrifft, ist er ein guter Einstieg in ein Nachhaltigkeitsmanagement.

Denkanstöße für die Umsetzung in Unternehmen

Erster Check für den Einkauf eines jeden Unternehmens

Die für den Einkauf Verantwortlichen aber auch jeder Mitarbeitende im Büro kann mit der Unterstützung der Firma einen Teil zu einer umweltfreundlichen Beschaffung beitragen. Die folgenden Fragen können zu einem ersten Check der Beschaffung genutzt werden:
  • Gibt es Produktalternativen aus wieder verwendeten Materialien (Recyclingprodukte)?
  • Kann ein Einwegprodukt durch ein Mehrwegprodukt ersetzt werden?
  • Ist das Produkt langlebig und reparaturfreundlich?
  • Lässt sich Verpackungsmaterial einsparen?
  • Kann der Einsatz von Kunststoffen oder PVC vermieden werden?
  • Enthält das Produkt Lösemittel oder Schwermetalle?
  • Wie hoch sind die direkten und indirekten Folgekosten einer Anschaffung in der Zukunft?
  • Ergeben sich möglicherweise zusätzliche Kosten für die Entsorgung eines Geräts?
Die Fragen können in jedem relevanten Bereich des Unternehmens gestellt werden. Diese sind unabhängig vom jeweiligen Geschäftsbereich meistens die Folgenden:
  • Energie und Ressourcen (z. B. Strom)
  • Mobilität (z. B. Mobilitätsmanagement, Fuhrpark und Geschäftsreisen)
  • Bürobedarf und Ausstattung (z. B. IT)
  • Catering und Geschenke (z. B. nachhaltiges Veranstaltungsmanagement)
  • Abfallmanagement (z. B. durch Beachtung des Recyclingpotentials der Produkte)

KMU-Kompass Nachhaltigkeit

Der Kompass Nachhaltigkeit für kleine und mittlere Unternehmen bietet Unterstützung in Form von Informationen und einem Selbst-Check. Bei der Einführung von Nachhaltigkeit in den Beschaffungsprozess wird empfohlen, zunächst durch einen Verantwortlichen die Ausgangslage zu erfassen. Dazu gehört je nach Bedarf die Analyse des Beschaffungsmanagements, der Lieferketten, von Länder- und Branchenrisiken sowie von Standards. Dann können eine Beschaffungsstrategie und ein Verhaltenskodex definiert, und diese an Mitarbeitende und Zulieferer kommuniziert werden. Damit ist es möglich, bestehende Produkte und Zulieferer zu bewerten. Um die Umsetzung sicherzustellen, sollten Zulieferer zur Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards verpflichtet werden. Regelmäßige Kontrollen dienen auch dazu Verbesserungs- und Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten.
Weitere Informationen finden Sie unter:

Zertifizierung nach ISO 20400

Im April 2017 wurde die ISO 20400 veröffentlicht. Damit werden Unternehmen auf operativer und strategischer Ebene bei der Gestaltung einer nachhaltigeren Beschaffung unterstützt. Der Begriff Nachhaltigkeit wird hierbei nicht nur auf der ökologischen Ebene genutzt, sondern beinhaltet auch soziale und ökonomische Aspekte.
(Der Leitfaden zur nachhaltigen Beschaffung ist momentan nur auf Englisch verfügbar)

Noch einen Schritt weitergedacht: Nachhaltigkeitsmanagement

Um das Thema Nachhaltigkeit im gesamten Geschäftsablauf eines Unternehmens zu verankern gibt es verschiedene Möglichkeiten. Informationen und Handlungshilfen finden Sie in der IZU Werkzeugbox unter Nachhaltigkeitsmanagement sowie im Fachwissen-Beitrag "Nachhaltiges Lieferkettenmanagement."

Vergabe in der Verwaltung – Wichtig auch für Unternehmen

Für die öffentliche Beschaffung und Vergabe werden bereits nachhaltige Kriterien berücksichtigt. Im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen heißt es im vierten Teil Vergabe öffentlicher Aufträge § 97 Satz 3, dass für die Auftragsausführung zusätzliche Anforderungen an Auftragnehmer gestellt werden können, die insbesondere soziale, umweltbezogene oder innovative Aspekte betreffen. Für die Bundesregierung wurden zwölf konkrete Maßnahmen im Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit beschlossen.
Weitere Informationen finde Sie hier:

Neuer Leitfaden "Umwelt- und Klimaschutz in Behörden"

Da die öffentliche Hand mit Ausgaben von mehr als 350 Milliarden Euro pro Jahr auch ein großer Auftraggeber in Deutschland ist, sind deren Vorgaben zur nachhaltigen Beschaffung auch für Unternehmen von großer Bedeutung. Der überabeitete und aktualisierte Leitfaden des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) "Umwelt- und Klimaschutz in Behörden“ bietet Informationen und Hilfestellungen zur praktischen Umsetzung der neuen Anforderungen.
Link zum Leitfaden:

Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG)

Seit Ende Oktober 2020 gilt die Neuregelung des KrWG §45 für die Beschaffungsstellen in Bundesbehörden. Darin wird eine grundsätzliche Bevorzugungspflicht für umweltfreundliche Erzeugnisse festgelegt: