Umweltpakt Bayern

 

Nachhaltiges Lieferkettenmanagement – Ein Überblick für Klein- und Mittelunternehmen (KMU)

Letzte Aktualisierung: 09.11.2017, Quelle: LfU, WWF, CDP, resPACT, KPMG

Was versteht man unter nachhaltiger Lieferkette und welche Vorteile bringt sie meinem Unternehmen?

Investoren fordern nachhaltige Lieferketten, um Liefer- und Reputationsrisiken zu minimieren. Für Konsumenten stehen transparente und skandalfreie Lieferketten für eine bewusst nachhaltige Kaufentscheidung – Nachhaltigkeit in der Liefer- oder Wertschöpfungskette ist zu einem wesentlichen Baustein des nachhaltigen Wirtschaftens geworden. Um KMU den Einstieg in die Thematik zu erleichtern, gibt dieses Fachwissen einen Überblick zum nachhaltigen Lieferkettenmanagement.

1. Definition

Ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement hat das Ziel, alle Wertschöpfungsschritte von Waren und Dienstleistungen unter wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Prämissen zu betrachten. Dabei sollten nach Möglichkeit alle negativen Auswirkungen behoben bzw. minimiert und Maßnahmen einer verantwortungsbewussten Unternehmensführung gefördert werden.

2. Worum es geht

Nachhaltiges Lieferkettenmanagement bedeutet den gesamten Lebensweg eines Produkts in den Blick zu nehmen: rückwärts von der Gewinnung der Roh- und Ausgangsstoffe über Produktion und Verkauf bis zur Nutzung und Entsorgung eines Produkts. Zahlreiche Unternehmen agieren entlang dieser Lieferkette, teilweise über Staaten oder Kontinente hinweg. Bayerische Klein- und Mittelbetriebe sind dabei oft nicht das letzte Glied der Lieferkette, sondern eines mittendrin. Während beispielsweise im Energie- oder Nachhaltigkeitsengagement der meisten Unternehmen betriebseigene Energiedaten und Emissionen akribisch gesammelt und ausgewertet werden, werden die Emissionen der Zulieferer noch oft vergessen. Je nach Industriesektor belaufen sich diese auf 60 bis 80 Prozent, bei Handelsunternehmen sogar auf bis zu 90 Prozent ihrer Gesamtemissionen. Seine Lieferkette zu kennen ist daher der erste Schritt zu deren verantwortungsvollen Management.

3. Wer beteiligt werden sollte

Um die betriebseigene Lieferkette positiv zu verändern, benötigen Sie das Engagement mehrerer an der Lieferkette beteiligter Akteure. Ziel des aktiven Lieferkettenmanagements ist es, die relevanten Stakeholder für die Schaffung eines verantwortungsvollen gesellschaftlichen Umfelds und einen bewussteren Umgang mit Ressourcen zu gewinnen sowie darauf zu achten, dass diese die entsprechenden Rahmenbedingungen wie nationale und internationale Standards einhalten. Einen Einstieg in die Analyse wer die Stakeholder eines Unternehmens sind und wie mit diesen in Kontakt zu treten ist, bietet im Rahmen des IZU-Onlinetools "Nachhaltigkeitsmanagement für KMU" das Servicepaket "Anspruchsgruppenanalyse und -dialog".


4. Rechtsrahmen

Die CSR-Richtlinie der Bundesregierung

Auf nationaler Ebene hat die Bundesregierung Anfang 2017 ein Gesetz für die Umsetzung der Corporate Social Responsibility-Richtlinie (CSR-Richtlinie) vorgelegt. Danach werden insbesondere für kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern neue handelsrechtliche Berichtspflichten für nichtfinanzielle Informationen eingeführt. Indirekt werden darüber auch mittelständische Unternehmen (KMU) betroffen sein. Die Berichtspflichten betreffen Angaben zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen sowie zur Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung der Korruption.


Internationale Gesetzgebung

Auf internationaler Ebene fordern bereits seit längerem die CSR-Reporting-Richtlinie der EU (2014/95/EU) sowie der Dodd-Frank-Act (Paragraph 1502) der USA Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden auf, in der nichtfinanziellen Berichterstattung Auskunft über Risiken und Folgen hinsichtlich ökologischer, sozialer und mitarbeiterrelevanter Aspekte zu geben sowie die Achtung von Menschenrechten zu deklarieren.


5. Vorteile des nachhaltigen Lieferkettenmanagements

Die Chancen eines verantwortungsvollen Lieferkettenmanagements sind vielseitig und reichen von guten Beziehungen zu Lieferanten und Kunden bis hin zu finanziellen Verbesserungspotenzialen.

Die Vorteile im Überblick:

  • Compliance sichern: Mit der CSR-Richtlinie 2014/95/EU verpflichtet die EU nun bestimmte große Unternehmen ab 2017 zu mehr Transparenz zu nichtfinanziellen Belangen, zu denen z. B. auch die Treibhausgasemissionen gehören. Indirekt sind davon auch Zulieferer betroffen. Zusätzlich werden die regulatorischen Anforderungen durch die Bestrebungen Deutschlands, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 bzw. 95 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, weiter zunehmen.
  • Stakeholder zufriedenstellen: Unstrittig ist mittlerweile, dass Lieferanten, die Umweltstandards, Arbeits- und Menschenrechte nicht einhalten, sich auch negativ auf das Image des belieferten Unternehmens auswirken. Entsprechend werden Nachweise und Daten rund um die CSR-Aktivitäten der Lieferanten schon bei der Ausschreibung verlangt werden. In dem Sie ihr Engagement kommunizieren und Ihre Aktivitäten entlang der Lieferkette transparent machen, gewinnen Sie Vertrauen und Sympathie bei Ihren Stakeholdern.
  • Chancen entdecken und Risiken minimieren: Eine Analyse ihrer Lieferkette gibt Ihnen Impulse, Prozesse und Produkte zu überdenken, Innovationen zu entwickeln und Ihr Risikomanagement zu verbessern. Sie sind sich der Risiken Ihrer Lieferkette bewusst und können deren negative Auswirkungen abschwächen oder bestenfalls verhindern.
  • Effizienzsteigerung: Durch gute Austauschbeziehungen mit Ihren Lieferanten können Rohstoff-, Energie- und Transportkosten gesenkt werden.

6. Internationale Rahmenwerke

Um global agierenden Unternehmen eine Orientierung zur Umsetzung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements zu geben, haben internationale Organisationen Leitlinien entwickelt, die die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien sicherstellen sollen. Hier bieten die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, die Global Reporting Initiative (GRI) sowie die United Nations Global Compact-Initiative Unterstützung beim Analysieren der Lieferkette und Offenlegung der Ergebnisse. Die darin enthaltenen Richt- und Leitlinien enthalten gemeinsam angestrebte Werte des verantwortungsvollen multinationalen Wirtschaftens in den Bereichen Umweltschutz, Menschenrechte, Arbeitsnormen, Transparenz und Korruptionsbekämpfung. Besonders Wert wird auf die beständige und sorgfältige Prüfung und Analyse der Geschäftstätigkeiten ("Due Diligence") gelegt.


7. Umsetzungshilfen für KMU

Arbeitshilfen "Nachhaltige Lieferkette"
Dieses aus mehreren einzelnen Arbeitshilfen bestehende Werkzeug hilft KMU dabei, die wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen in ihrer Lieferkette zu identifizieren und Schritt für Schritt ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement in den eigenen Unternehmensprozessen und bei den Lieferanten zu etablieren.

Informationen zum Thema finden Sie außerdem bei folgenden Veranstaltungen und Arbeitshilfen:

Der Kompass Nachhaltigkeit richtet sich speziell an KMU und bietet umfangreiche Informationen zu einer ökologischen, sozialen und gleichzeitig wirtschaftlichen Beschaffung. Er enthält eine Datenbank zu Nachhaltigkeitsstandards und Labels für unterschiedliche Produktgruppen, einen Self-Check nachhaltige Beschaffung, Praxisbeispiele, Linklisten, Erläuterungen zu rechtlichen Rahmenbedingungen sowie aktuellen Meldungen.


Um Klein- und Mittelbetriebe dabei zu unterstützen ihre Lieferkette verantwortungsvoll zu gestalten, hat respACT die Broschüre "Verantwortungsvolles Wirtschaften entlang der Lieferkette. Eine praktische Anleitung für Klein- und Mittelbetriebe" erstellt. KMU werden an die Thematik herangeführt und erfahren, wie sie den Prozess schrittweise umsetzen können


Die "ISO 26000:2010 – Guidance on social responsibility" ist als Leitfadennorm international anwendbar und unterstützt Unternehmen dabei, CSR-Standards festzulegen und umzusetzen. Die Orientierungshilfe des Umweltministeriums (BMUB) stellt die Norm vor, vergleicht dessen Vorgaben mit bestehenden CSR-Standards und unterbreitet KMU Vorschläge die Vorgaben des ISO-Standards Schritt für Schritt umzusetzen.


Die Ecosense-Orientierungshilfe stellt die zentralen Aspekte unternehmerischer Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten dar und ist an international anerkannte Standards angelehnt. Damit bietet sie Unternehmen einen Startpunkt, eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und den zunehmenden Transparenzanforderungen erfolgreich zu begegnen.