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Recycling-Baustoffe

Recycling-Baustoffe – kurz RC-Baustoffe – sind Sekundärrohstoffe, die durch Aufbereitung mineralischer Bau- und Abbruchabfälle entstehen, wodurch diese erneut im Hoch- und Tiefbau zum Einsatz kommen können. Bau- und Abbruchabfälle stellen sowohl in Deutschland als auch in Bayern den größten Abfallstrom dar. Dazu zählen unter anderem Bodenaushub und Steine, Bauschutt (Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik) und Straßenaufbruch. Dies sind mineralische Abfälle.

Güteüberwachte RC-Baustoffe sind nach erfolgreicher Prüfung und Zertifizierung in ihrem jeweiligen Anwendungsgebiet den Primärbaustoffen gegenüber als qualitativ gleichwertig anzusehen. Sie bergen ökonomische und ökologische Potenziale und leisten als hochwertige Sekundärrohstoffe einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft – und damit zum nachhaltigen Ressourcen- und Klimaschutz.

Die entsprechende Technik sowie Normen und Regelwerke für den sicheren Einsatz von RC-Baustoffen sind vorhanden. Es mangelt jedoch noch an der breiten Anwendung. Ziel muss es sein, das Wissen über RC-Baustoffe auf Seiten der Bauherren und anderer an Bauprojekten Beteiligter zu verbessern und damit deren Akzeptanz zu steigern. Dazu bedarf es zukünftig verstärkter Aufklärungsarbeit. Mit der entsprechenden Bewusstseinsbildung bei allen Beteiligten kann mehr Kreislaufwirtschaft im Bausektor etabliert werden.

Im Folgenden finden Sie genauere Informationen rund um das Thema RC-Baustoffe.
Kontaktieren Sie uns gerne bei Anregungen oder Fragen!

Welche Bau- und Abbruchabfälle fallen an und wie werden sie entsorgt?

Laut Statistischem Bundesamt machten Bau- und Abbruchabfälle mit rund 228 Mio. t im Jahr 2018 55 % des Gesamtabfallaufkommens in Deutschland aus. Im selben Jahr waren es in Bayern 53 Mio.t. Bodenaushub und Steine machten mit 63 % den größten Anteil der Bau- und Abbruchabfälle in Bayern 2018 aus. Die zweitgrößte Fraktion war Bauschutt (19 %), gefolgt von Straßenaufbruch (7 %). Die restlichen 11 % werden Bauholz, -glas und sonstigen Bauabfällen zugeordnet.

Wie mit diesen Abfällen umzugehen ist, ist durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) festgelegt. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft sollten Baustoffe gemäß der Abfallhierarchie vorrangig wiederverwendet oder zur Wiederverwendung vorbereitet werden. Ansonsten sind sie als Bau- und Abbruchabfälle – soweit technisch und wirtschaftlich umsetzbar – aufzubereiten. Diese Art der stofflichen Verwertung wird Recycling genannt. Grundsätzlich ist das Recycling der Verfüllung vorzuziehen. Die letzte Option ist die Beseitigung auf Deponien. Durch Wiederverwendung oder Recycling werden nicht nur weniger Abfälle erzeugt, sondern auch nachteilige Umweltauswirkungen vermieden, die Kreislaufwirtschaft gefördert und natürliche Ressourcen geschont.

Gut die Hälfte (54,6 %) der 53 Mio. t Bauabfälle in Bayern 2018 wurde verfüllt und 18,6 % wurden Bauschuttrecyclinganlagen zugeführt. Weitere Entsorgungswege waren die Verwertung in anderen Abfallentsorgungsanlagen (15,6 %) und die Beseitigung in Deponien und anderen Abfallbeseitigungsanlagen (11,2 %).

Wie werden Bau- und Abbruchabfälle zu RC-Baustoffen aufbereitet?

Um aus dem Abbruch von Gebäuden qualitativ hochwertige Materialien für das Baustoff-Recycling zu erhalten, muss bereits auf der Baustelle vorgearbeitet werden. Hierbei ist Selektiver Rückbau entscheidend: schadstoffhaltige Materialien und Bauteile müssen entfernt und die verschiedenen Abfallfraktionen getrennt gehalten werden.

Die Aufbereitung erfolgt in mobilen oder stationären Recyclinganlagen, in denen die mineralische Abfallfraktion zerkleinert, gesiebt und von Fremd- und Störstoffen (z. B. Holz, Kunststoff, Metall) befreit wird. Durch eine ständige qualitätssichernde Güteüberwachung wird der Nachweis der Bautauglichkeit und der Umweltverträglichkeit der erzeugten Baustoffe erbracht. Diese aufbereiteten und zur Verwendung/ Verwertung geeigneten mineralischen Baustoffe heißen Recycling-Baustoffe (RC-Baustoffe).

Welche Qualitätsanforderungen werden an RC-Baustoffe gestellt und wie werden diese geprüft?

Zertifizierte RC-Baustoffe unterliegen einer konsequenten Qualitätssicherung. Ihre Verwendung gilt als rechtssicher und regelwerkskonform, da sie auf ihre Umweltverträglichkeit sowie bautechnische Eignung geprüft wurden und gütegesichert sind.

Die bautechnischen Anforderungen sind in Deutschland auf Bundesebene festgelegt und werden in den Bundesländern extra eingeführt. Beispielhaft seien Technische Lieferbedingungen (TL) und Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien (ZTV) genannt. Die umwelttechnischen Anforderungen sind in Bayern auf Länderebene im Leitfaden RC-Baustoffe definiert.

Die Einhaltung der bau- und umwelttechnischen Regelungen wird durch unabhängige Zertifizierungsstellen geprüft. Seit 01.10.2020 soll die QUBA - Richtlinie für die Qualitätssicherung von mineralischen Sekundärbaustoffen deren Einsatz im Bauwesen fördern. Bei erfolgreicher Prüfung gemäß der Richtlinie wird für qualitätsgesicherte Sekundärbaustoffe das bundesweit einheitliche Qualitätssiegel QUBA verliehen. Darüber hinaus werden durch diese Richtlinie Anforderungen standardisiert, Bezeichnungen vereinheitlicht und Sekundärbaustoffe technisch beurteilt.

Geprüfte und zertifizierte RC-Baustoffe können sicher eingesetzt werden. Eine ordnungsgemäße und schadlose Verwertung wird dabei gewährleistet.

Welche Einsatzgebiete gibt es für RC-Baustoffe?

Je nach stofflicher Zusammensetzung sowie bau- und umwelttechnischen Eigenschaften kommen RC-Baustoffe für zahlreiche unterschiedliche Zwecke zum Einsatz. Dabei können sie zur Herstellung von Bauprodukten oder in technischen Bauwerken verwendet werden.

Einsatzmöglichkeiten finden sich exemplarisch in folgenden Bereichen:

  • Erd- und Tiefbau (z. B. Sicht- und Lärmschutzwälle, Deponieersatzbaustoff, Ver-/ Hinterfüllmaterial)
  • Straßen- und Wegebau (z. B. Frostschutzschichten, hydraulisch gebundene Tragschichten, Bankettmaterial)
  • Hochbau (z. B. als Zuschlagsstoff für RC-Beton)

In Bayern werden die in Recycling-Anlagen gewonnenen Erzeugnisse überwiegend im Straßen- und Erdbau eingesetzt. 2016 gingen in Bayern 36 % in den Straßen- und Wegebau sowie 30 % in sonstigen Erdbau. 26 % wurden Asphaltmischanlagen zugeführt, 6 % u. a. beim Bau von Sportplätzen und Deponien eingesetzt und 2 % der Recycling-Erzeugnisse als Betonzuschlag für den Hochbau verwendet.

Welche Praxisbeispiele gibt es in Bayern?

Einige Beispiele größerer Maßnahmen sind:

  • Autobahnausbau der A99 bei München:
    Recycling mit mobilen Brecher- und Siebanlagen und direkte Wiederverwendung vor Ort von Abbruchabfällen der alten Brücke, des Asphaltoberbaus und der Frostschutzschichten (in Summe ca. 500.000 t RC-Baustoffe)
  • Neubau der Tank- und Rastanlage Fürholzen:
    insgesamt ca. 237.000 t RC-Gesteinskörnungen (RC-Beton/ RC-Mix)
  • Neubau der Umweltstation in Würzburg:
    insgesamt ca. 450 t Gesteinskörnungen zur Herstellung von etwa 600 m3 RC-Beton
  • Bayernkaserne in München:
    ca. 600.000 t schadstofffreies Abbruchmaterial durch Selektiven Rückbau, vor Ort Aufbereitung für neuerlichen Einsatz und dadurch Einsparung von ca. 3,2 Mio. Transportkilometern

Warum sollen RC-Baustoffe eingesetzt werden?

Die Verwendung von RC-Baustoffen trägt maßgeblich zur gesetzlich verankerten Kreislaufwirtschaft bei. Durch die Nutzung von Sekundärrohstoffen kann der Abbaubedarf von Primärrohstoffen gesenkt werden.

Außerdem kann bei der Entsorgung eine Umverteilung erreicht werden. Wird durch Recycling mehr Material im Kreislauf gehalten, muss entsprechend weniger Material zum einen abgelagert und zum anderen neu gewonnen werden. Durch die Nutzung von RC-Baustoffen kann eine Kreislaufwirtschaft etabliert werden, die große Potenziale zum Umwelt- und Ressourcenschutz bietet.
Schadstoffe werden dem Kreislauf gezielt entzogen und luft-, lärm- und klimawirksame Emissionen können durch regionale Verfügbarkeit und kürzere Transportwege gemindert werden. Aber auch in ökonomischer Hinsicht birgt die Kreislaufwirtschaft im Bausektor Vorteile.

Nachstehend einige Beispiele:

  • Versorgungssicherheit:
    Abbruchabfall ist (lokal) vorhanden und kann Unabhängigkeit bzgl. Verfügbarkeit und Preisvolatilitäten schaffen. Außerdem können Transportkosten und Zeitaufwand sinken.
  • Entsorgungssicherheit:
    Entsorgungskosten können durch Aufbereitung der Abfälle zu RC-Material reduziert werden. Dieses RC-Material kann weiterverkauft oder direkt selbst verwendet werden (z. B. in RC-Beton für Schüttgutboxen), wodurch der Zukauf von Material verringert werden kann.
  • Bautechnische Hochwertigkeit:
    Die bau- und umwelttechnischen Anforderungen an zertifizierte RC-Baustoffe sind auf den jeweiligen Verwendungszweck abgestimmt, sodass durch deren Produktion neue Materialien mit klar definierten Eigenschaften entstehen. Die Kenntnis über die genaue Zusammensetzung ist bei Primärrohstoffen nicht immer gegeben.