Umweltpakt Bayern

Einsatz von Recycling-Baustoffen

Mineralische Bau- und Abbruchabfälle stellen sowohl in Deutschland als auch in Bayern den größten Abfallstrom dar. Laut UBA 2018 machten diese Abfälle 2016 mit ca. 223 Millionen Tonnen rund 54% des Gesamtabfallaufkommens in Deutschland aus. 2014 fielen in Bayern insgesamt rund 46 Mio. t zu entsorgende Abfälle aus Bau- und Abbruchmaßnahmen an – die beiden größten Fraktionen stellten Bodenaushub und Steine (einschließlich Gleisschotter) mit 31,5 Mio. t (69%) sowie Bauschutt (Beton, Ziegel, Fliesen und Keramik) mit 9,8 Mio. t (21%) dar. Während bei der Gruppe Bodenaushub und Steine der Hauptteil oberirdisch verfüllt wurde (ca. 81%), wurden beim Bauschutt knapp 64% (6,2 Mio. t) in Bauschuttrecyclinganlagen aufbereitet und als Recycling-Baustoffe – kurz: RC-Baustoffe – im Hoch- und Tiefbau verwendet.

Damit tragen diese hochwertigen Sekundärrohstoffe im Sinne der Kreislaufwirtschaft zum Ressourcen- und Umweltschutz bei.

Im Folgenden finden Sie Fragen und Antworten rund um das Thema RC-Baustoffe.

Haben Sie weitere Fragen oder Anregungen? Dann kontaktieren Sie gerne das Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern.

Was ist Baustoff-Recycling und was sind RC-Baustoffe?

Werden mineralische Bau- und Abbruchabfälle zum erneuten Einsatz im Hoch- und Tiefbau aufbereitet, spricht man von Baustoff-Recycling. Um aus dem Abbruch von Gebäuden qualitativ hochwertige Materialien für das Baustoff-Recycling zu erhalten, muss bereits auf der Baustelle auf Entfernung schadstoffhaltiger Materialien und Bauteile sowie auf Getrennthaltung der verschiedenen Abfallfraktionen (selektiver Rückbau) geachtet werden (vgl. auch Gewerbeabfallverordnung).

Die Aufbereitung erfolgt in mobilen, semimobilen oder stationären Recyclinganlagen, in denen die mineralische Abfallfraktion zerkleinert, gesiebt und von Fremd- und Störstoffen (z.B. Holz, Kunststoffe, Metalle) befreit wird. Durch eine ständige qualitätssichernde Güteüberwachung wird der Nachweis der Bautauglichkeit und der Umweltverträglichkeit der erzeugten Baustoffe erbracht. Diese aufbereiteten und zur Verwendung/Verwertung geeigneten mineralischen Baustoffe heißen Recycling-Baustoffe (RC-Baustoffe).

Der Baustoffkreislauf: Im Sinne der Kreislaufwirtschaft bzw. der Abfallhierarchie sollten Baustoffe wie natürliche Rohstoffe nach ihrer Nutzung vorrangig wiederverwendet oder zur Wiederverwendung vorbereitet werden. Ansonsten sind sie als Bau- und Abbruchabfälle – soweit technisch und wirtschaftlich umsetzbar – aufzubereiten. Diese Art der stofflichen Verwertung wird Recycling genannt. Durch Wiederverwendung oder das Recycling werden nicht nur weniger Abfälle erzeugt, sondern auch nachteilige Umweltwirkungen vermieden, die Kreislaufwirtschaft gefördert und natürliche Ressourcen geschont.

Warum sollen RC-Baustoffe verwendet werden?

"Umweltschutz", "Klimaschutz", "Schutz natürlicher Ressourcen", "Kreislaufwirtschaft" – diese Schlagworte fordern den Einsatz von RC-Baustoffen, resp. Sekundär-Baustoffen als Alternative zu Primär-Baustoffen.

Nachstehend finden Sie Beispiele für positive Aspekte, die sich aus der Verwendung von RC-Baustoffen ergeben:

  • Förderung der Kreislaufwirtschaft:
    Abfälle werden vermieden oder recycelt und in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. Durch die Aufbereitung werden zudem gezielt Schadstoffe aus dem Stoffkreislauf entzogen.
  • Schonung der natürlichen Ressourcen und der Umwelt:
    RC-Baustoffe substituieren Primär-Baustoffe, wodurch der Abbau natürlicher Rohstoffe und damit Eingriffe in die Natur verringert werden.
  • Minderung von Luft-, Lärm- und klimawirksamen Emissionen:
    Der Gesamtenergieverbrauch für die Herstellung von RC-Baustoffen ist im Vergleich zu Primär-Baustoffen geringer. Außerdem kommt es bei regionaler Verfügbarkeit zu kürzeren Transportwegen und einer Reduzierung von Verkehrsbelastungen.
  • Verwendung von bautechnisch hochwertigen Sekundär-Baustoffen:
    Die bau- und umwelttechnischen Anforderungen an RC-Baustoffe sind auf den jeweiligen Verwendungszweck abgestimmt, so dass durch deren Produktion neue Materialien mit klar definierten Eigenschaften entstehen.
  • Wirtschaftliche Vorteile von RC-Baustoffen ergeben sich z.B. aufgrund günstigerer Preise als bei bautechnisch vergleichbaren natürlichen Baustoffen oder aufgrund geringerer Transportkosten.
  • Vielfältige Einsatzmöglichkeiten, s.u.

Ziel muss es sein, das Wissen über RC-Baustoffe auf Seiten der Bauherren und anderen an Bauprojekten Beteiligten zu verbessern und damit deren Akzeptanz zu steigern. Dazu bedarf es zukünftig verstärkter Aufklärungsarbeit.

Welche Einsatzgebiete gibt es für RC-Baustoffe?

Je nach stofflicher Zusammensetzung sowie bau- und umwelttechnischen Eigenschaften kommen RC-Baustoffe für zahlreiche unterschiedliche Zwecke zum Einsatz. Dabei können sie zur Herstellung von Bauprodukten oder in technischen Bauwerken verwendet werden.

Nachfolgend werden Einsatzmöglichkeiten exemplarisch aufgezeigt:

  • Tiefbau wie Straßen- und Wegebau (z.B. Frostschutzschichten, hydraulisch gebundene Tragschichten, Bankettmaterial)
  • Hochbau (z.B. Zuschlagsstoff für RC-Beton)
  • Bauprodukte-, Bauteilherstellung (z.B. Block- und Pflastersteine aus RC-Beton)
  • Erd-, Deponiebau (z.B. Sicht- und Lärmschutzwälle, Deponieersatzbaustoff, Ver-/Hinterfüllmaterial, Pflanzsubstrat für den Garten- und Landschaftsbau)

Mehr Informationen zu den verschiedenen Anwendungsbereichen und den zu beachtenden Regelwerken finden Sie auf den Internetseiten von Baustoff Recycling Bayern e.V.

Praxisbeispiele für durchgeführte Baumaßnahmen mit RC-Baustoffen in Bayern:

  • Beim Autobahnausbau der A99 bei München werden Abbruchabfälle der alten Brücken, des Asphaltoberbaus und der Frostschutzschichten mit mobilen Anlagen recycelt und vor Ort als RC-Baustoffe verwendet. Laut Autobahndirektion Südbayern handelt es sich insgesamt um ca. 500.000 t RC-Baustoffe, die auf der Baustelle eingebaut werden.
  • Neubau der Tank- und Rastanlage Fürholzen mit insgesamt ca. 237.000 t RC-Gesteinskörnungen (RC-Beton/RC-Mix)
  • Neubau der Umweltstation in Würzburg mit insgesamt ca. 450 t Gesteinskörnungen zur Herstellung von etwa 600 m3 RC-Beton

Welche Qualitätsanforderungen werden an RC-Baustoffe gestellt?

RC-Baustoffe werden in Bayern intensiv untersucht. Ihre Verwendung gilt dann als rechtssicher und regelwerkskonform, wenn sie auf ihre Umweltverträglichkeit sowie bautechnische Eignung geprüft wurden, d.h. gütegesichert und zertifiziert sind. In diesem Fall handelt es sich um bautechnisch hochwertige und den Primärbaustoffen gleichwertige Baustoffe.

  • Umweltverträglichkeit: Für RC-Baustoffe gelten strenge Schadstoff-Grenzwerte sowohl im Feststoff wie im Eluat. Die Verwendung von gütegesicherten und zertifizierten RC-Baustoffen führt zu keiner nachteiligen Veränderung von Gewässern (insbesondere des Grundwassers) oder von Böden.
  • Bautechnische Anforderungen: RC-Baustoffe erfüllen vielfältige bautechnische Anforderungen, die jeweils geprüft und bewertet werden.

Wie kann man beim Einsatz von RC-Baustoffen vorgehen?

Dank der verlässlichen Qualitätssicherung von RC-Baustoffen können diese für unterschiedliche Bauzwecke eingesetzt werden.

Regelwerke im Tiefbau

Während auf europäischer Ebene die bautechnischen Anforderungen an RC-Baustoffe durch verschiedene DIN-Normen (z.B. DIN EN 13043) festgelegt sind, regeln in Deutschland Technische Lieferbedingungen (u.a. TL SoB-StB) und Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien (ZTV SoB-StB) je nach Einsatzzweck der RC-Baustoffe sowohl bau- als auch umwelttechnische Vorgaben. Diese bundesweit geltenden Vorgaben werden in Bayern mit weiteren Regelwerken spezifiziert.

Beispielsweise erfolgt gemäß dem Leitfaden "Anforderungen an die Verwertung von Bauschutt in technischen Bauwerken" (Leitfaden RC-Baustoffe) des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz der Nachweis der Bautauglichkeit und Umweltverträglichkeit durch eine ständige qualitätssichernde Güteüberwachung. Dadurch wird die Konformität mit den geltenden bau- und umwelttechnischen Regelwerken gewährleistet und eine "ordnungsgemäße und schadlose Verwertung" nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (§ 7 KrWG) sichergestellt.

Regelwerke im Hochbau

Nicht nur beim Einsatz von RC-Materialien im Tiefbau, sondern auch im Hochbau gibt es Normen und Regelwerke auf europäischer und nationaler Ebene, die die Qualität der RC-Baustoffe sichern. Unterschieden wird dabei in Regelwerke, die für Gesteinskörnungen (GK) im Beton (RC-GK, DIN EN 12620) gelten, und solche, die für Beton (unter Verwendung von RC-Gesteinskörnungen, DIN EN 206) gelten.

Beispielsweise sind in der DIN EN 12620 die bautechnischen Anforderungen an die Gesteinskörnungen zur Herstellung von konstruktiven Betonen im Hochbau sowie die Voraussetzung für deren CE-Kennzeichnung geregelt. Die Richtlinie des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb-Rili) "Beton nach DIN EN 206-1 und DIN 1045-2 mit rezyklierten Gesteinskörnungen nach DIN EN 12620" legt fest, dass die RC-Gesteinskörnungen umweltverträglich (Nachweis nach DIN 4226-101) sein müssen und bestimmt, welche Anteile der rezyklierten Gesteinskörnungen für die Betonherstellung zulässig sind.

Weitere Anforderungen zur Herstellung und Verwendung von RC-Beton sowie Übersichten zu den aktuell geltenden Regelwerken für den Einsatz von RC-Baustoffen im Tief- und Hochbau finden Sie in folgender Publikation: